München/Timișoara (Rumänien) – Der Roma-Clan C. aus Rumänien sorgt seit Jahren für Aufsehen in der deutschen Justiz. Anfang Juli vollstreckten Ermittler bei einer Hochzeitsfeier der Großfamilie in Ingolstadt (Bayern) Forderungen: Bei Marco C. (32), einem Mitglied der Familie, wurden Steuerschulden von knapp 400.000 Euro eingetrieben. Wie The Pik erfuhr, wird gegen Angehörige desselben Clans nun wegen des Verdachts auf Menschenhandel im Zusammenhang mit einer Organentnahme ermittelt.
Am 21. Juli drangen Polizeikräfte auf ein Anwesen in Caransebeș (Rumänien) vor. Im Fokus der Ermittlungen standen Gradu C. (62) und seine Ehefrau Ileana (59). Aufgrund eines europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft München wurden beide festgenommen. Die rumänische Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens und des Terrorismus (DIICOT) bezeichnet die beiden als „prominente Mitglieder einer kriminellen Vereinigung aus der Gemeinde Timișoara“. In rumänischen Medien wird Gradu C. als Kopf des Familienclans und „Finanzminister“ beschrieben.

Zwangsweise Nierenspende für Clan-Chef?
Den Ermittlungen zufolge sollen die beiden einen Rumänen (45) genötigt haben, dem schwer erkrankten Gradu C. eine Niere zu spenden. Das Opfer sei dabei massiv unter Druck gesetzt worden. „Der Mann wurde außerdem zu unbezahlter Arbeit gezwungen, musste sich registrieren lassen und Kaufverträge für Fahrzeuge unterzeichnen. Unter Androhung, seine Eltern in Rumänien zu töten, wurde er schließlich zur Nierenspende gezwungen“, erklärt die DIICOT.
Die Transplantation erfolgte im Juni 2022 in einem Krankenhaus in Freiburg (Baden-Württemberg). Zuvor fanden die vorgeschriebenen medizinischen Checks, die Spender schützen und Organhandel verhindern sollen, in München und Freiburg statt. Das Opfer soll sich dabei als Neffe von Gradu C. ausgegeben haben – offenbar so überzeugend, dass keine Zweifel aufkamen. Im Gegenzug seien ihm 15.000 Euro und eine Wohnung in Timișoara in Aussicht gestellt worden. Erst im Januar 2025 erstattete die Familie des Spenders Anzeige.
Verdacht auf Zeugenbeeinflussung durch den Clan
Am 27. Juli wurden Gradu C. und seine Ehefrau nach München überstellt. Doch der Aufenthalt im Gefängnis war kurz. Wie zu erfahren war, wurde er inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen. Staatsanwältin Juliane Grotz: „Aufgrund des sich mittlerweile darbietenden Ermittlungsstandes wurde der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen. Dasselbe gilt für die beschuldigte Ehefrau, welche ebenfalls aus Rumänien ausgeliefert worden war.“
Wie The Pik berichtet wurde, liegt dem Gericht ein Video vor, in dem das Opfer seine früheren Aussagen deutlich abgemildert haben soll. Die Ermittler vermuten, dass das Video unter Zwang entstanden ist.
Schon im März durchsuchten Polizeikräfte die Villa der C.s in Rumänien. Das beschuldigte Ehepaar war nicht anwesend, doch die Beamten fanden rund 500.000 Euro Bargeld. Aus später abgehörten Telefonaten soll hervorgehen, wie der Familienclan Zeugen mit Geld und auch das Organspende-Opfer beeinflusst haben soll. Trotzdem vergingen mehr als vier Monate, bis Gradu C. festgenommen wurde. Durch die Videoaussage könnte das Verfahren nun zu scheitern drohen.
Der Anwalt von C. hat auf eine Anfrage bislang nicht reagiert.
Lebendspende: Ablauf und Voraussetzungen
In Deutschland ist eine Lebendspende unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Dabei gibt ein gesunder Mensch ein Organ oder einen Teil davon an eine andere Person ab, meist eine Niere oder einen Teil der Leber. Voraussetzung ist, dass Spender und Empfänger medizinisch zueinanderpassen und die Entscheidung freiwillig getroffen wird. Eine Warteliste ist nur relevant, wenn das Organ von einem verstorbenen Spender stammt.
Zudem muss der Spender volljährig sein und umfassend über die Risiken informiert werden. Vor dem Eingriff werden laut organspende-info.de gründliche medizinische und psychologische Untersuchungen durchgeführt. Ziel ist es, die Gesundheit des Spenders bestmöglich zu sichern und Organhandel zu verhindern. Viele Menschen können nach einer erfolgreichen Lebendspende weiterhin ein normales Leben führen.



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