Berlin/Dubai – Sie erpressen Geschäftsleute, schüchtern Staatsanwälte ein, dealen mit Rauschgift und verüben Auftragsmorde. Die „Caspers“ gelten als die momentan gefährlichste Gruppierung der türkischen Mafia in Deutschland. Jung. Rücksichtslos. Global vernetzt.
An der Spitze stehen nach Recherchen Koray T. (33) und Seyit D. (32). The Pik hat sie aufgespürt. Während der eine Mafia-Boss als verurteilter Mörder seine kriminellen Aktivitäten in einer Shisha-Bar in Dubai fortführt, lenkt der andere die „Caspers“ in Berlin – und das aus dem Gefängnis heraus.

Ermittlungsakten der Berliner Staatsanwaltschaft, die The Pik einsehen konnte, zufolge schlossen sich die beiden spätestens im September 2025 mit rund zwei Dutzend weiteren Beschuldigten zu einer kriminellen Organisation zusammen. Unterstützung bekam das Duo demnach von T.s Vater. Er soll der Gruppe zunächst unter anderem Handgranaten besorgt und mögliche Tatorte ausgekundschaftet haben.
Wer ist Koray T., genannt „Cowboy“?
Im September 2016 tötete der Deutsch-Türke einen 32-Jährigen in einem Berliner Hinterhof mit einer halbautomatischen Waffe. Das Landgericht Berlin sprach ihn 2019 schuldig und verurteilte ihn zu acht Jahren Haft. Für den Prozess wurde T. aus Bulgarien ausgeliefert, wo er zu diesem Zeitpunkt eine andere Strafe verbüßte.

Bemerkenswert: Für die Einschulung seiner Tochter bekam der verurteilte Mörder 2022 Freigang. Koray T. nutzte die Gelegenheit zur Flucht und kehrte nicht in das Berliner Gefängnis zurück.

Nach Erkenntnissen von The Pik hält sich das Mitglied der Hells Angels heute in Dubai auf. Von dort aus soll er das Caspers-Netzwerk steuern. Mehrere unabhängige Insider berichten: Der Mafia-Boss sei regelmäßig in einer exklusiven Shisha-Bar in der Dubai Mall zu Gast, einem der größten Einkaufszentren der Welt. Von einem Ecktisch aus soll er weiterhin die Fäden bis nach Deutschland ziehen.
Der andere Mafia-Boss sitzt in Untersuchungshaft
Die Geschäfte der „Caspers“ in Berlin führt seine rechte Hand: Seyit D. – genannt „Ilyas“. In sozialen Medien inszeniert sich D. als harter Kerl, der ein Jetset-Leben führt. Sein privates Fotoalbum ist voll von Sportwagen, teuren Uhren und Luxus-Hotels. Er reiste nach Thailand, Griechenland, auf die Malediven, nach Shanghai, in die Türkei – und nach Dubai.

Brisant: Die protzigen Bilder entstanden zu einer Zeit, als sich D. in Deutschland wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor Gericht verantworten musste. Bereits Mitte 2023 verurteilte das Landgericht Berlin Seyit D. zu 6 Jahren und 2 Monaten Haft. Nach einer Revision hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Strafmaß jedoch wieder auf und verwies den Fall zurück an das Landgericht. Das nächste Urteil im November 2025: diesmal 4 Jahre und 9 Monate. Auch dagegen legten D.s Anwälte Revision ein. Der Ausgang ist offen.

Am 22. April 2026 veröffentlichte D. sein letztes Foto von einer Lamborghini-Fahrt durch Berlin. Nach Informationen nahm die Polizei den Mafia-Boss wenige Tage später im Zuge einer Razzia fest. Seitdem sitzt D. in der JVA Moabit in Untersuchungshaft.

Offiziell handelte es sich laut Generalstaatsanwaltschaft um den bis dato „größten konzentrierten Einsatz gegen Schusswaffenkriminalität“ seit dem Start der neuen Offensive gegen die Mafia-Strukturen. Insider vermuten jedoch: Auch hinter Gittern kann D. die kriminelle Vereinigung weiter lenken.
Das Caspers-Netzwerk
Der Ursprung der Caspers liegt in Istanbul. Dort spalteten sich seit 2021 mehrere eigenständige Killer-Netzwerke von der türkischen Mafia ab. Laut Ermittlungsakten ist das Netzwerk der Caspers klar strukturiert:
Dazu zählen „Aufseher“, die das Geschehen vor Ort überwachen, „Shooter“, die für Schüsse auf Geschäfte oder Wohnhäuser angeheuert werden, sowie „Top-Shooter“ – professionelle Auftragskiller, die für Mordanschläge aus dem Ausland beauftragt und bezahlt werden. Hinzu kommen Fahrer und Logistiker, die Fluchtwagen mieten, Waffen transportieren und Unterkünfte bereitstellen.

Ermittler beobachten eine Zunahme von Erpressungsversuchen und Bedrohungen. Nach Informationen stehen deshalb derzeit mindestens zehn türkische Unternehmer und deren Familien in Deutschland unter Polizeischutz. Brisant: Mittlerweile werden auch fast ein halbes Dutzend Justizmitarbeiter geschützt.

Die Täter inszenieren sich selbst auf Social Media
Ihre Taten filmen die Caspers und verbreiten die Videos anschließend im Internet. Ermittler sprechen daher von einer sogenannten Gen-Z-Mafia. Ihr Ziel laut Ermittlungsakten: Durch gezielte Verbreitung von Angst versuchen die Caspers, „die Reputation der Vereinigung zu erhöhen“ und sich „die Vormachtsstellung in Berlin zu sichern“.

Die Caspers breiten sich im Bundesgebiet aus
Nach Informationen versuchen Koray T. und Seyit D. das Netzwerk nach Nordrhein-Westfalen auszuweiten und sich dort durch den Handel mit illegalen Waffen in kriminellen Kreisen zu etablieren.


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