Offenburg (Baden-Württemberg) – Sie floh vor dem Krieg in ihrer Heimat, um in Deutschland Sicherheit zu finden. Doch hier erwartete sie eine andere, ebenso tödliche Bedrohung. Nun ist Kateryna Sniedkova (36) tot – erschossen von einem Stalker, der die junge Frau über Monate hinweg verfolgt und terrorisiert haben soll. Angehörige und Freunde stellen die bange Frage: Warum griffen die Behörden nicht ein, als Kateryna dringend Hilfe benötigte?

Am 6. Juli endete das Leben der verwitweten Theaterregisseurin, die 2024 gemeinsam mit ihrem Sohn (13) aus Charkiw (Ukraine) nach Offenburg (Baden-Württemberg) geflohen war. Ein Stalker hatte sie vier Monate lang verfolgt, beschimpft und bedroht. Dann setzte der türkische Asylbewerber Ömer E. (33) seine Drohung in die Tat um und erschoss Kateryna mitten auf der Straße. Anschließend richtete er die Waffe gegen sich selbst.

Katerynas Sohn, ihre Mutter und eine Freundin nehmen Abschied in der Offenburger Aussegnungshalle

Kateryna und E. hatten sich in einer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt. Ihr Lebensgefährte André R. (38) hatte den Mord kommen sehen. Er schildert, was er, seine Partnerin und deren Sohn seit März dieses Jahres durchmachen mussten:

  • - „Der Stalker stand schon morgens um 5.30 Uhr vor meiner Haustür. Er fuhr mir auf dem Weg zur Arbeit hinterher. Um 7 Uhr kam er an Katerynas Wohnung, verfolgte auch sie. Das ging fast jeden Tag so.“

  • - „Der Mann schrieb Katerynas Freunde in den sozialen Medien an, machte sie schlecht.“

  • - „Eines Tages erzählte er Kateryna, dass er ihren Sohn entführt habe. Sie bekam eine Panikattacke, raste in die Schule. Gott sei Dank war der Junge dort.“

  • - „Zwei Wochen vor dem Mord passte er Kateryna und mich auf der Straße ab, drohte: ‚Ich werde dein Leben zerstören, du Hurensohn!‘“

Lebensgefährte erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Die Vorfälle seien wiederholt gemeldet worden, so der IT-Techniker. Eine Beamtin habe zwar eine Anzeige aufgenommen, sei danach jedoch zehn Wochen lang wegen Urlaub und Krankheit nicht erreichbar gewesen. Katerynas Lebensgefährte: „Mehrfach riefen wir die Polizei, wenn wir von dem Stalker verfolgt wurden. Es hieß dann immer, dass gerade keine Streife frei sei oder wir uns später noch mal melden sollten.“

Stalker Ömer E. (33) verfolgt sein Opfer, wird dabei gefilmt

Wie versuchte die Polizei, Katerynas Leben zu schützen? Sprecher Yannick Hilger: „In allen Fällen wurden unmittelbar Gefährderansprachen mit dem Tatverdächtigen geführt und die Vorfälle der Staatsanwaltschaft vorgelegt.“ Auch mit dem Opfer sei „wiederholt intensiv“ gesprochen worden, die Frau sei unter anderem über Hilfsorganisationen informiert worden. Hilger: „Ihr wurde verdeutlicht, dass sie sich im Fall einer Annäherung durch den 33-Jährigen unverzüglich an die Polizei wenden soll.“

Keine rechtliche Handhabe für Haftbefehl

Die Staatsanwaltschaft Offenburg erklärt: „Die Beantragung eines Haftbefehls war mangels Haftgrundes nicht möglich. Insbesondere lagen die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr nicht vor.“ Konkrete Anhaltspunkte für psychische Auffälligkeiten habe es beim späteren Mörder nicht gegeben, weshalb auch kein Antrag auf einstweilige Unterbringung gestellt werden konnte.

150 Menschen nahmen an der Trauerfeier für Kateryna teil, darunter viele Kollegen der Jungen Theaterakademie Offenburg. Deren Leiter sagte: „Kateryna war eine mutige, junge Frau, die trotz Schicksalsschlägen stark blieb.“ Doch der Schutz, den sie sich in unserem Land erhofft hatte, blieb ihr verwehrt.