Washington/Teheran – Was zunächst wie ein gescheiterter Feldzug gegen den Iran wirkte, könnte sich nun doch noch in eine Erfolgsgeschichte verwandeln. Nach anfänglichen spektakulären Schlägen blieb der erhoffte Regimewechsel aus, und die zeitweise Schließung der Straße von Hormus ließ die Weltwirtschaft erzittern. Trump wirkte phasenweise bereit, nahezu jedes noch so bescheidene Abkommen zu akzeptieren. Doch im Juli orderte er an 13 aufeinanderfolgenden Tagen erneut Luftangriffe – womöglich mit einem deutlich besseren Ausgang, als viele zunächst vermutet hatten.
Die US-Offensive im Juli wurde vielerorts als lautstark, aber letztlich wirkungslos abgetan – schließlich hätten die Amerikaner auf strategisch bedeutsame Ziele verzichtet. Die allgemeine Annahme lautete: Trump wolle die Führung in Teheran zurück an den Verhandlungstisch zwingen.
Allerdings existiert eine alternative Lesart: Hinter den Angriffen habe keine Zurückhaltung gesteckt, sondern eine kalkulierte Strategie, um die Radarsysteme und Sensoren auszuschalten, mit denen das iranische Regime die Meerenge von Hormus überwacht.
Die Straße von Hormus ist wieder für Öltransporte offen
Nach US-Angaben haben die Mullahs ihre Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstraße weitgehend eingebüßt. Täglich würden 15 bis 20 Tanker durch die Meerenge geleitet – ohne dass die iranische Führung wirksam eingreifen könne. Präsident Trump zufolge fließen pro Nacht bis zu zehn Millionen Barrel hindurch – ungefähr die Hälfte des Vorkriegsvolumens.

Zudem verkündete Trump am Dienstag, die US-Marine habe sämtliche Minen in den internationalen Gewässern der Straße von Hormus geräumt oder unschädlich gemacht. Jedes Schiff oder Boot, das neue Minen lege, werde umgehend zerstört, so die Warnung des Präsidenten an Teheran.
Irans Wirtschaft befindet sich in einer historischen Krise
Am Montag kündigte US-Finanzminister Scott Bessent eine neue wirtschaftliche Offensive an und sprach von einem „wirtschaftlichen D-Day“ sowie der „Endphase“ des Konflikts. Mit der Operation „Economic Outcast“ („wirtschaftlich ausgestoßen“) soll das iranische Regime entweder zu Zugeständnissen gezwungen oder zu Fall gebracht werden. In einem Beitrag für die „Financial Times“ betonte Bessent, Irans Wirtschaft sei „noch nie so schwach“ gewesen wie derzeit, bei gleichzeitig nahezu beispielloser Inflation. Obwohl die Trump-Regierung bei den neuen Sanktionen darauf verzichtet, China für seine Handelsbeziehungen mit dem Iran direkt zu belangen, fiel die iranische Währung Rial nach der Ankündigung auf ein Rekordtief.
Befürworter des Iran-Kriegs wie Mark Dubowitz vom Thinktank FDD zeigen sich zuversichtlich, dass das Regime in Teheran mittelfristig zusammenbrechen wird. Die Führung sei sich der existenziellen Bedrohung längst bewusst, schreibt er auf X – und dass Millionen Iraner erneut auf die Straßen gehen könnten.
Doch die Kritiker mahnen zur Vorsicht
Das US-Thinktank Institute for the Study of War bremst die Hoffnungen. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass der wirtschaftliche Druck die kompromisslose Haltung der Hardliner in Teheran aufgeweicht habe. Noch deutlicher äußert sich der israelische Analyst Danny Citrinowicz vom Thinktank INSS, der die Kriegsstrategie bereits früher kritisiert hatte. Je häufiger US-Regierungsvertreter öffentlich vom Sturz des Regimes sprächen, desto mehr bestätige das den Verdacht der Mullahs, Washington strebe gar keinen Deal an, sondern das Ende der Islamischen Republik. Ohne diplomatischen Ausweg liege der Anreiz nicht in der Kapitulation, sondern in der Eskalation.



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