Düsseldorf (NRW) – Jung, rücksichtslos und auf schnelles Geld aus: Kriminelle türkische Banden haben vermögende Landsleute ins Visier genommen und setzen sie mit äußerster Brutalität unter Druck. Wie The Pik aus Sicherheitskreisen berichtet wurde, geraten zunehmend türkisch-kurdische Unternehmer in Deutschland ins Fadenkreuz der Erpresser.

Die als „Türkische Gen-Z-Mafia“ bekannten Gruppierungen sind den Ermittlungsbehörden in Berlin seit Längerem ein Begriff. Nun verlagern die türkisch-kurdischen Banden, die unter Namen wie „Daltons“, „Ezgins“, „Caspers“ oder „Sirinler“ (Schlümpfe) auftreten, ihren Aktionsradius verstärkt nach Nordrhein-Westfalen.

Den Recherchen zufolge zählen angesehene Unternehmer zu den Betroffenen. Darunter befinden sich der Multimillionär und Gründer einer Restaurantkette, ein im Rheinland ansässiger Geschäftsmann mit mehreren türkischen Supermärkten, ein Fleischproduzent sowie diverse Juweliere aus NRW. Die Namen der Betroffenen sind den Redakteuren bekannt, werden jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht.

Auf diese Filiale einer Restaurantkette in Süddeutschland wurde ein Brandanschlag verübt. Die Gründer werden offenbar erpresst
Quelle: Privat

Attacken auf Gastronomiebetriebe

Die Opfer eint ein ähnliches Schicksal: Sie werden von den türkischen Gangstern kontaktiert, eingeschüchtert und zur Zahlung hoher Summen gezwungen. Allein beim Inhaber der türkischen Restaurantkette sollen die Täter fünf Millionen Euro gefordert haben. Um ihren Drohungen Gewicht zu verleihen, feuerten sie bereits auf Filialen oder zündeten Sprengsätze. Die betroffenen Unternehmer fürchten nun um ihr Leben und das ihrer Angehörigen. Einige stehen mittlerweile unter behördlichem Schutz.

Der geflüchtete Mafia-Pate Koray T. soll einer der Chefs der „Caspers“-Bande sein. Der verurteilte Mörder konnte sich 2022 bei einem Freigang absetzen, als seine Tochter eingeschult wurde
Quelle: Privat

18 Erpressungsfälle binnen eines halben Jahres

Auf Nachfrage erklärte das Landeskriminalamt NRW: „Aufgrund der Dynamik und teils erheblichen Gewaltbereitschaft, vor allem gezielt gegen Gebäude oder Fahrzeuge, wird die Entwicklung in diesem Phänomenbereich durch die Polizei NRW intensiv beobachtet.“ Seit Februar 2026 führt das LKA eine eigene Statistik zu Straftaten der „Türkischen Gen-Z-Mafia“.

Eine Sprecherin ergänzte: „Seit Beginn dieser Erfassung wurden 18 polizeilich zur Anzeige gebrachte Erpressungen festgestellt. Da die Auswertung von Hand erfolgen muss und die Zuordnung komplex ist, kann nicht sichergestellt werden, dass alle früheren oder zusätzlichen Sachverhalte erfasst sind.“ Zudem dürfte die Dunkelziffer höher ausfallen, da nicht alle türkisch-kurdischen Geschäftsleute Anzeige bei der Polizei erstatten.

Munition im Kuvert und Kalaschnikows

In den dokumentierten Fällen registrierte das LKA sechsmal „Schusswaffendelikte“, in zwei weiteren Fällen wurde lediglich Munition in einem Briefumschlag hinterlassen. Die Täter agieren demnach mobil, wechseln kontinuierlich ihre Standorte und legen weite Strecken in kurzer Zeit zurück, um deutschlandweit Straftaten zu begehen. Als Schwerpunkte in NRW gelten Köln und Dortmund.

In der Nacht zum Mitte August wurde ein Kölner Uhrengeschäft in der Innenstadt mit einer Kalaschnikow beschossen. Auch für diesen Angriff werden die türkischen Mafia-Strukturen verantwortlich gemacht.