Leipzig – Auslöser der Tat: unerträgliche Zahnschmerzen! Heike F. (63) führte bislang ein unbeschwertes Leben. Die Finanzberaterin war leidenschaftliche Tennisspielerin, genoss gesellige Abende und hatte nie mit dem Gesetz zu tun. Bis sie beinahe zur Mörderin wurde – ausgelöst durch ihre anhaltenden Zahnbeschwerden.

Zu dramatischen Ereignissen kam es Anfang August am Hintereingang einer Praxis in der Georg-Schumann-Straße in Leipzig (Sachsen). Zahnarzt Lutz M. (54) wollte lediglich den Briefkasten leeren, als er von hinten von einer Frau mit einem Messer attackiert wurde. Polizei, Notarzt und Rettungsdienst rückten umgehend an und fanden den Mediziner mit schweren Stichverletzungen vor. In akuter Lebensgefahr wurde er in Bauchlage per Rettungswagen in ein Krankenhaus transportiert. „Die mutmaßliche Tatverdächtige konnte wenig später im Zuge der sofort eingeleiteten Fahndung durch Einsatzkräfte festgenommen werden“, erklärte die Polizei dazu. Mittlerweile ist bekannt: Bei der Festgenommenen handelt es sich um Heike F., ihr Opfer war ihr ehemaliger Zahnarzt.

Die Rettungskräfte schieben das verletzte Messeropfer in einen Krankenwagen
Quelle: Unbekannt

Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen

Einen Tag nach der Bluttat ordnete der Ermittlungsrichter einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung an. Seitdem versuchen die Ermittler zu rekonstruieren, wie aus der bislang strafrechtlich unauffälligen Frau eine Täterin werden konnte. Ein zentraler Ansatzpunkt der Ermittlungen: die Krankenakte von Heike F.

Monatelange Qualen nach Zahnbehandlung

Nach Erkenntnissen der Ermittler befand sich die Frau über einen längeren Zeitraum in Behandlung bei Lutz M. und dessen Praxisteam. Nach einem umfangreicheren Eingriff an den Vorderzähnen soll die Patientin jedoch über Monate hinweg unter stechenden Schmerzen gelitten haben. „Besonders morgens muss sie schrecklich gelitten haben“, berichtet ein Bekannter. So überzeugt war Heike F. davon, dass ihr ein Behandlungsfehler widerfahren sei, dass sie über Bekannte sogar Kontakt zu Journalisten aufnahm.

Am Hintereingang der Praxis soll der Zahnarzt Post aus dem Briefkasten geholt haben, bevor die Tat geschah
Quelle: Unbekannt

Zwei Gutachten sprechen den Zahnarzt frei

Diese Vorwürfe sind auch Rechtsanwalt Hagen Karisch bekannt. Der Jurist, der zugleich als Pressesprecher des angegriffenen Zahnarztes auftritt, weist die Anschuldigungen jedoch entschieden zurück: „Es existieren zwei Gutachten, die Lutz M. und die Praxis eindeutig entlasten.“ Sein Mandant hat das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen können. Heike F. befindet sich derweil weiterhin in Untersuchungshaft. Ihre Zahnschmerzen plagen sie nach wie vor.

Ob der chronische Schmerz die Psyche der Frau beeinflusst hat, wird für das Strafverfahren von zentraler Bedeutung sein. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten, dass die „mutmaßlichen psychischen Auffälligkeiten der Beschuldigten Gegenstand der weiteren Ermittlungen“ sein werden.