Berlin – Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) zog vor wenigen Wochen seinen Spitzendiplomaten in New York, Generalkonsul Till Knorn, aus den USA ab und versetzte ihn auf einen internen Posten im Auswärtigen Amt. Nun offenbaren interne Dokumente, die The Pik vorliegen, den Grund für Knorns Versetzung: Es geht um „wiederkehrende Verhaltensmuster“ im Umgang des Diplomaten mit Frauen!
Ermittlungen zufolge gab es seit 2023 fünf Beschwerdeverfahren gegen den früheren Leiter des Protokolls. The Pik führte ausführliche Gespräche mit drei betroffenen Diplomatinnen, die Kontakt zu Knorn hatten, der seit 2024 das Amt des Generalkonsuls bekleidete. Eine weitere Frau meldete sich per E-Mail.
Die entscheidenden Vorwürfe im Überblick:
► Weihnachtsfeier: Laut Akte legte Knorn gleichzeitig den Arm um zwei junge Kolleginnen und äußerte „sinngemäß“, es handele sich um seinen „Traum-Dreier“.
► Staatsbesuch in New York: Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Museum of Modern Art eine Ausstellung besuchte, betrachtete eine junge Beamtin des Auswärtigen Amts eine Fotografie, die einen Mann in Fetischkleidung mit entblößtem Geschlechtsteil zeigte. Laut Akte stellte sich Knorn neben sie und fragte, „ob ihr das Bild gefalle“.
► Karnevalsparty in Berlin: Der Beschwerdeakte zufolge soll Knorn einer jungen Kollegin die „Hand immer tiefer entlang ihres Rückens bewegt, schließlich ihr Gesäß berührt“ haben.
Knorn weist den Vorwurf laut Akte zurück. Es sei „völlig unzutreffend“, dass er die Frau am Gesäß gefasst habe. Aufgrund des Gedränges könne er lediglich nicht ausschließen, sie „am Rücken berührt“ zu haben, „um den Anschluss zur Gruppe nicht zu verlieren oder die Frau ein wenig zu schieben“. Sexuelle Absichten bestreitet er. Sein Umgang sei locker, flapsig und hierarchieabbauend gewesen. Die Beschwerdestelle hat den Griff an das Gesäß dennoch als glaubhaft eingestuft.

► Vorausreise nach Helsinki: Zu einer jungen Referentin sagte Knorn angeblich: „Wir sehen uns dann in der Sauna, aber passen Sie auf, hier in Finnland geht man nackt.“
► Im Sekretariat: Laut Akte erklärte der Diplomat: „Mein Problem mit Vorzimmern ist, dass die immer schwanger werden, aber toi, toi, toi, bislang ohne mein Zutun.“
► Abendkleider: Im Zusammenhang mit der Erstattung von Abendkleidern soll Knorn zu einer Kollegin gesagt haben, „er wolle dann auch bei der Anprobe des Kleides dabei sein“.
► Botschaft in Afrika: Einer jungen Kollegin versicherte Knorn laut Akte, sie müsse sich keine Sorgen machen, dass er sie „mit auf sein Zimmer nehme“.
Der Spitzendiplomat äußert sich gegenüber The Pik nicht. Ein Sprecher Knorns bittet um Verständnis, „dass Herr Knorn nicht ‚on the record‘ gehen kann.“
Die Bewertung des Auswärtigen Amts im Fall Knorn
Das Fazit des Abschlussvermerks vom 4. Juni 2026, der letztlich zu Knorns Abberufung aus New York führte, ist eindeutig: „Die Beschwerde ist begründet. Till Knorn hat durch sein Verhalten gegen das Benachteiligungsverbot verstoßen, weil sein Verhalten die Voraussetzungen einer sexuellen Belästigung im Arbeitsumfeld erfüllt.“
Weiter heißt es, Knorn habe durch sein „unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten ein von Einschüchterungen, Erniedrigungen und Entwürdigungen geprägtes Umfeld geschaffen und eine Verletzung der Würde einer Beschwerdeführerin bewirkt“. Er habe eine Kollegin wiederholt „zu einem Sexualobjekt degradiert“. Aufgrund des Hierarchiegefälles habe sie sich seinem Verhalten kaum entziehen können und sei „regelmäßigen, aufeinander aufbauenden Einschüchterungen, Erniedrigungen und Entwürdigungen ausgesetzt“ gewesen.


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