Berlin – Innenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) präsentierte zunächst eine positive Meldung: Die Kriminalität in Deutschland ist im Jahr 2025 laut polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) deutlich zurückgegangen. Mit rund 5,5 Millionen registrierten Straftaten verzeichneten die Behörden einen Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch dieser erste Eindruck trügt.
Ein Grund für den scheinbaren Rückgang ist die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024, die zu einer geringeren Erfassung von Drogendelikten führte. Auch bei der Gewaltkriminalität zeigt die Statistik zunächst ein Minus von 2,3 Prozent. Diese Entwicklung ist jedoch nicht durchweg positiv, denn bei besonders schwerwiegenden Verbrechen steigen die Fallzahlen an.
Deutliche Zunahme bei Mord und Sexualstraftaten
Die Fälle von Mord und Totschlag nahmen um 6,5 Prozent zu. Noch stärker war der Anstieg bei Vergewaltigungen und besonders schweren sexuellen Übergriffen mit einem Plus von 8,5 Prozent. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern verzeichnete einen weiteren Anstieg.

„Weniger Straftaten insgesamt, weniger Gewaltkriminalität bedeutet auch weniger Opfer“, erklärte Dobrindt bei der Vorstellung der PKS. Der Innenminister relativierte jedoch sogleich: Man könne lediglich von einem „leichten Rückgang“ sprechen, insbesondere die Gewaltkriminalität verbleibe auf einem sehr hohen Niveau.
Zudem führte der Minister den Rückgang teilweise auf die gesunkene Zahl neu ankommender Zuwanderer zurück. Viele Taten würden kurz nach der Ankunft begangen. Daher führe eine geringere Flüchtlingszahl auch zu niedrigeren Fallzahlen.
43 Prozent der Tatverdächtigen sind Ausländer
ABER: Ausländer („nicht-deutsche Tatverdächtige“) seien weiterhin deutlich überrepräsentiert, betonte der Minister. Fast 43 Prozent der Tatverdächtigen besitzen keinen deutschen Pass. Gemessen an der Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) – also Tatverdächtige pro 100.000 Einwohnern – liegt die Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger in allen Altersgruppen mindestens doppelt so hoch wie bei Deutschen.
Dobrindt veranschaulichte dies mit einer Grafik während der Präsentation: Im Vergleich zu deutschen Tatverdächtigen war die Zahl der Verdächtigen aus Syrien und Afghanistan etwa zehnmal so hoch.

Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei jungen Männern. Bei männlichen Jugendlichen liegt die TVBZ bei Ausländern bei 13.811 und bei Deutschen bei 6118 (pro 100.000 Einwohner der jeweiligen Gruppe). Bei männlichen Heranwachsenden (18 bis 24 Jahre) beträgt das Verhältnis 12.297 zu 5762. In der Gewaltkriminalität ist der Abstand bei Jugendlichen noch gravierender: 3710 nichtdeutschen Tatverdächtigen stehen 1070 deutsche gegenüber – mehr als dreimal so viele.
Mehrere Faktoren fördern Gewaltbereitschaft
Laut Innenminister Dobrindt und BKA-Chef Holger Münch (64) lässt sich die höhere Kriminalitätsneigung teilweise dadurch erklären, dass die Tatverdächtigen im Durchschnitt jünger und häufiger männlich sind als in der deutschen Vergleichsgruppe. Weitere Risikofaktoren wie persönliche Gewalterfahrungen im Herkunftsland oder innerhalb der Familie sowie Armut, von der viele Geflüchtete betroffen seien, spielten ebenfalls eine Rolle. In manchen migrantischen Bevölkerungsgruppen seien zudem Einstellungen verbreitet, die körperliche Gewalt – insbesondere gegen Frauen – als legitimes Mittel betrachteten.
Manuel Ostermann (35), Vize-Chef der Bundespolizeigewerkschaft: „In zentralen Bereichen erreicht die Kriminalität weiter ein unerträglich hohes Niveau. Die PKS-Zahlen zeigen auch, dass Migration weiter massive Auswirkungen auf die innere Sicherheit hat. Besonders alarmierend ist hier die Entwicklung im Bereich der Jugendkriminalität. Hier braucht es frühzeitige Prävention, klare Konsequenzen und eine stärkere gesellschaftliche Verantwortung.“
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