Berlin – Vor rund zwölf Monaten kündigten die Koalitionsspitzen an: Ab 2027 sollen die Steuern sinken! Vor fünf Wochen präsentierten Friedrich Merz (70, CDU) und Lars Klingbeil (48, SPD) die Pläne: Schwarz-Rot will Arbeitnehmer in den Jahren 2027 und 2028 finanziell entlasten. Das Gesamtvolumen der Entlastung solle ab 2028 „insgesamt ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr“ betragen, so Kanzler und Finanzminister.

Doch nun liegt The Pik der Referentenentwurf aus Klingbeils Ministerium vor. Der zeigt: Die zugesagte Entlastung fällt deutlich geringer aus. Es droht eine doppelte Steuer-Sauerei! Denn Klingbeil plant offenbar kaum Eingriffe in den Einkommenssteuertarif. Die Folge: Die Entlastungen dürften erheblich kleiner ausfallen als angekündigt. Und zweitens: Sie kompensieren nicht einmal die Inflation („kalte Progression“).

▶ Für 2027 veranschlagen Klingbeils Fachleute die Gesamtentlastung für Arbeitnehmer auf lediglich 2,9 Milliarden Euro. Darin enthalten sind unter anderem: ein angehobener Freibetrag (plus 216 Euro), ein höheres Kindergeld (+ 8 Euro/Monat je Kind) sowie eine erhöhte „Reichensteuer“. Experten zufolge ist das viel zu wenig: Angesichts der hohen Inflation müsste Klingbeil die Arbeitnehmer eigentlich um rund acht Milliarden Euro entlasten.

▶ Für 2028 ist eine Entlastung von insgesamt 6,99 Milliarden Euro vorgesehen (u.a. Grundfreibetrag +336 Euro, Kindergeld +5 Euro). Das liegt weit unter den versprochenen „ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr“.


Der 57-seitige Steuerentwurf aus dem Finanzministerium ( Ki Generiert )

Hinzu kommen weitere Belastungen. So dürfen Steuerzahler künftig nur noch maximal 15 Prozent der Handwerkerkosten absetzen (bisher 20 Prozent). Bei Minijobbern steigt die Steuer von 2 Prozent auf 5 Prozent. Für steuerpflichtige Vereine soll der Freibetrag von 5000 auf 1000 Euro gesenkt werden. Dadurch schrumpft die Entlastung insgesamt auf nur noch 4,9 Milliarden Euro.

„Das vorliegende Gesetz stärkt langfristig das Arbeitskräfte- und Wachstumspotenzial“, heißt es in dem Entwurf. „Durch höhere Grund- und Kinderfreibeträge, die Anhebung des Kindergeldes sowie einen höheren Reichensteuersatz als Gegenfinanzierung werden sowohl Wachstumsimpulse gesetzt als auch dem Gerechtigkeitsaspekt Rechnung getragen.“

Doch ob es tatsächlich so kommt, ist mehr als ungewiss. Denn bereits jetzt zeichnet sich ab: Die Sozialbeiträge (Rente, Gesundheit, Pflege) werden spätestens ab 2028 drastisch ansteigen. Das bedeutet: Die ohnehin geringe Entlastung könnte bei vielen Arbeitnehmern größtenteils wieder aufgezehrt werden.

Das Finanzministerium wollte sich auf Anfrage nicht äußern.