Oviedo (Spanien) – In einem Haus am Stadtrand von Oviedo lebten die Kinder des deutschen Philosophen Christian S. (54) und seiner deutsch-amerikanischen Frau Melissa S. (49) unter katastrophalen Bedingungen. Unter einem Bett lagerten Zentimeter von Staub und Abfall, Müllberge türmten sich neben einer Treppe. Auf den Betten waren gruselige Fratzen zu sehen. Statt in einem gepflegten Zuhause mit Garten verbrachten der 11-jährige Sohn und seine Zwillingsbrüder (9) etwa vier Jahre in dem verdreckten Gebäude, weitgehend ohne Tageslicht und frische Luft. Aktuelle Aufnahmen aus der als „Horror-Haus“ bekannten Villa zeigen das erschreckende Ausmaß der Isolation, zu der die Familie aus Furcht vor einer Corona-Infektion gezwungen war.

Die Eltern, die ihren Sohn und die Zwillinge gefangen hielten, mussten sich seit dem 10. März vor Gericht verantworten. Der Prozess endete am Donnerstag. Ein Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet – in Spanien werden Urteile üblicherweise erst nach Abschluss der Beweisaufnahme schriftlich formuliert und dann bekanntgegeben.

Aus Angst vor einer Corona-Infektion verließ die Familie das Haus nicht. Im Inneren stapelte sich der Müll
Aus Angst vor einer Corona-Infektion verließ die Familie das Haus nicht. Im Inneren stapelte sich der Müll
Neben einem Bett lagerten Vaseline-Dosen, auch Windeln wurden gefunden
Neben einem Bett lagerten Vaseline-Dosen, auch Windeln wurden gefunden

Anwalt der Mutter plädiert für Unterstützung statt Strafe

Die Verteidiger der Eltern setzen sich dafür ein, dass diese nicht inhaftiert, sondern mit ihren Kindern wieder zusammengeführt werden. Javier Muñoz Pereira, Rechtsbeistand von Melissa S., sagte gegenüber BILD: „Selbst wenn das Verhalten der Eltern ungewöhnlich, falsch und unangemessen war, sollte es nicht als Straftat gewertet werden. Sie lieben ihre Kinder zutiefst und brauchen die Hilfe und Begleitung durch die Sozialdienste. Wir hoffen aufrichtig, dass dieser Fall den strafrechtlichen Bereich verlässt und in einen angemessenen, unterstützenden und betreuenden Rahmen überführt wird, in dem die Fürsorge, Lösungen und das Wohl der Kinder sowie der gesamten Familie im Mittelpunkt stehen.“

Die Polizei befreite die Kinder im April 2025. Die Zwillinge und ihr Bruder mussten jahrelang in dem verwahrlosten Haus leben
Die Polizei befreite die Kinder im April 2025. Die Zwillinge und ihr Bruder mussten jahrelang in dem verwahrlosten Haus leben

Staatsanwaltschaft beantragt 25 Jahre Gefängnis

Die Kinder sind derzeit in einem spanischen Pflegeheim untergebracht. Eine Unterbringung in einer Pflegefamilie wird erwogen. Marta del Arco, Sozialministerin von Asturien, erklärte: „Es wird sehr intensiv mit den Kindern gearbeitet, sowohl durch pädagogisches Personal als auch durch Psychologen, weil sie das dringend benötigen.“

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, „dass die Angeklagten die Kinder aus grundloser Angst vor einer Krankheit eingesperrt haben“ und fordert unter anderem eine Haftstrafe von 25 Jahren und vier Monaten für die Eltern. Zusätzlich sollen sie jeweils 30.000 Euro an jedes ihrer Kinder zahlen.