Köln – Im Sommer 2025 wurde Thomas Kessler (40), Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln, von einem unerwarteten Anruf überrascht. Am Apparat: Tony Bloom (56), milliardenschwerer Eigentümer des Premier-League-Klubs Brighton. Sein Begehr: die Verpflichtung von Saïd El Mala (20).

Der Brite, der sein Vermögen einst als Pokerspieler aufbaute, bot zehn Millionen Euro für das Kölner Eigengewächs – einen Spieler, der den FC lediglich 300.000 Euro Ablöse gekostet hatte und zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine einzige Trainingseinheit absolviert hatte. Doch Kessler ließ sich nicht blenden und lehnte das Angebot umgehend ab. Bloom reagierte darauf mit Spott und Häme, ungläubig, dass jemand eine solche Summe ausschlagen kann.

Dieses Telefonat markierte den Auftakt zum spektakulärsten Nicht-Transfer der Bundesliga-Saison. Kessler gelang es letztlich, El Mala in Köln zu halten – und mehr noch: Der Vertrag des Angreifers wurde vorzeitig um ein Jahr bis 2031 verlängert, ohne jegliche Ausstiegsklausel.

Ein Erfolg, der jedoch Zugeständnisse erforderte. El Malas Mutter Sabrina, die als Beraterin ihres Sohnes fungiert, sicherte eine Weiterverkaufsbeteiligung von fünf Prozent. Zusätzlich erhält die Familie eine jährliche Unterschriftsprämie von 500.000 Euro – zahlbar, solange El Mala das FC-Trikot trägt.

Monatelang hielt das Tauziehen die gesamte Liga in Atem. Brighton blieb hartnäckig und erhöhte seine Offerten mehrfach – Ende April lag das letzte Angebot bei rund 35 Millionen Euro. Zwischendurch versuchte Bloom erneut sein Glück am Telefon, diesmal bei Lionel Souque (55), REWE-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender des FC, der großen Einfluss im Klub hat. Auch er erteilte eine klare Absage. Souque erinnerte sich später schmunzelnd: „Ich sagte ihm: Schön, dass wir uns unterhalten, aber ich bin Obst- und Gemüsehändler, du offenbar Pokerspieler – unsere Verhandlungen werden nichts. Das fand er gar nicht komisch.“

Verhandelt wurde schließlich doch – allerdings mit anderen Klubs. Mit Brentford war sich der FC beinahe einig: Die Engländer wollten Anfang Juni 50 Millionen Euro überweisen. Doch El Mala sagte kurzfristig ab, da ein Wechsel auf die Insel nicht seinen aktuellen sportlichen Entwicklungsvorstellungen entsprach. Anders hätte es bei Borussia Dortmund ausgesehen. Der BVB machte in der zweiten Julihälfte ernst – und verärgerte die Kölner zunächst mit einem halbherzigen Angebot: 34 Millionen Euro fix plus sechs Millionen Bonuszahlungen.

Dortmund zieht den Schlussstrich

Der BVB legte mehrfach nach, scheiterte jedoch immer wieder. Auch beim letzten Anlauf blieb die Ablehnung. Zwar summierte sich das Gesamtpaket inklusive Boni auf über 50 Millionen Euro, doch die Fixsumme lag nur bei knapp 46 Millionen. Kessler forderte jedoch mindestens 50 Millionen sofort – zu viel für die Dortmunder, die den gut dreiwöchigen Poker daraufhin beendeten.

Als alle bereits von einem Verbleib El Malas in Köln ausgingen, klingelte erneut das Telefon – diesmal aus Leipzig. Und diesmal schien es ernster zu werden, denn RB hatte kurz zuvor 125 Millionen Euro für den Transfer von Yan Diomande (19) zu Real Madrid eingenommen. Die Leipziger erkundigten sich telefonisch nach den Wechselmodalitäten und prüften intern die Machbarkeit eines Transfers.

Doch Köln lehnte abermals ab. Der Hauptgrund: Die Zeit drängte, da das Transferfenster am 1. September schließt und der FC erhebliche Bedenken hatte, noch einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Zudem lag aus Leipzig kein unmoralisches Angebot vor. Kessler wollte einen erneuten langwierigen Poker – wie zuvor mit dem BVB – unbedingt vermeiden. Daher hatte er parallel zum Leipzig-Vorstoß bereits El Malas Vertragsverlängerung samt Gehaltsverdopplung auf knapp unter drei Millionen Euro ausgearbeitet und intern abgesegnet. El Mala stimmte letztlich zu und beendete damit den verrücktesten Nicht-Transfer der Saison. Angebote weiterer Klubs – darunter AC Mailand, Fulham und Newcastle – wurden gar nicht erst diskutiert, da sie schlichtweg zu niedrig waren.

Nun will El Mala im FC-Trikot durchstarten. Nach dem WM-Frust und der verpassten Nominierung locken unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp (59) Ende September in den Niederlanden und gegen Griechenland die ersten Länderspieleinsätze. Diese könnten sich auch finanziell lohnen: El Mala hält einen Privatvertrag mit Kölns Hauptsponsor REWE. Sollte er sich als Nationalspieler etablieren, plant REWE nach Informationen, ihn ähnlich prominent zu vermarkten wie die beiden anderen Werbeträger des Supermarkt-Riesen – die Top-Stars Jamal Musiala (23/Bayern) und Thomas Müller (36/Vancouver).