Regensburg – Eine Hochzeit mit 3000 Gästen in der Türkei, Kostenpunkt 70.000 Euro – Isabella G. (31) schwebte im siebten Himmel. Doch die vermeintliche Traumhochzeit entpuppte sich als ausgeklügelter Betrug.

Die junge Frau wurde Opfer eines Heiratsschwindlers, den sie über die Dating-App Tinder kennengelernt hatte. Zusammen mit ihrer Mutter verlor sie mehrere Zehntausend Euro. Nun mussten sich der Betrüger und sein Komplize vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten.

Adnan P. (re.) mit seinem Anwalt Brian Härtlein. Der Bauarbeiter wurde zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt
Adnan P. (re.) mit seinem Anwalt Brian Härtlein. Der Bauarbeiter wurde zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt

Laut Anklage hatten Adnan P. (25) und sein Vater Dincer P. (45) von Beginn an die Absicht, über Tinder ein Opfer zu suchen und finanziell auszubeuten. „Ihr Ziel war es, den Geschädigten vorzutäuschen, dass der Angeklagte sie liebe, damit sie aufgrund dieser vorgetäuschten Beziehung Geld gibt“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

So zeigte sich der Schwindler auf sozialen Medien
So zeigte sich der Schwindler auf sozialen Medien

Opfer mit hohen Schulden

Der Betrug begann im November 2022 mit einem Match auf Tinder. Zunächst trafen sich die beiden in Nürnberg, wo Adnan P. lebt, später auch in Regensburg bei Isabella G. Sie verliebte sich Hals über Kopf. Bereits im Mai 2023 machte der Bauarbeiter ihr einen Heiratsantrag. Die Hochzeit sollte, so die Betrüger, in der Türkei mit 3000 Gästen stattfinden. Adnan und sein Vater gaben vor, das Fest zu organisieren. Sie behaupteten, bereits 70.000 Euro in die Türkei überwiesen zu haben – und baten daher die künftige Braut und ihre Familie um Geld. Vater Dincer P. gab sogar vor, sich in die Mutter von Isabella G. verliebt zu haben.

Vater Dincer P. (l.) beim Prozess vor dem Amtsgericht Regensburg. Er wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt
Vater Dincer P. (l.) beim Prozess vor dem Amtsgericht Regensburg. Er wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Die 31-Jährige nahm einen Kredit über 25.000 Euro auf, ihre Mutter steuerte 10.000 Euro bei. Um noch mehr Geld zu erpressen, gab Adnan P. vor, sich Operationen unterziehen und sich in der Türkei vom Wehrdienst freikaufen zu müssen. Alles erfunden, wie sich vor Gericht herausstellte.

Heiratsschwindler inzwischen wirklich verlobt

Isabella G. bemerkte den Betrug zu spät: „Nachdem er das Geld bekommen hatte, wurde der Kontakt immer seltener. Wir haben uns kaum noch gesehen. Ich war blind vor Liebe“, schilderte die Frau. Die Treffen wurden rarer, schließlich gab es nur noch Telefonate.

Auf der Dating-App Tinder suchte sich der Betrüger sein Opfer
Auf der Dating-App Tinder suchte sich der Betrüger sein Opfer

Das Geld ist weg, Isabella G. muss mit den Folgen leben: „Ich bin jetzt im Insolvenzverfahren, weil ich die Schulden nicht zurückzahlen kann.“ Auch ihre Mutter leidet: „Es hat einen schweren seelischen Schaden hinterlassen. Wir wurden von einem Menschen betrogen, dem wir vertraut haben.“

Die beiden Bauarbeiter legten Geständnisse ab und wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Adnan P. ist inzwischen tatsächlich verlobt und hat eine neun Monate alte Tochter – mit einer anderen Frau.