Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Ein sechsköpfiges Analyse-Team des Bundeskriminalamts, darunter ein Psychologe, hat hunderte Sprach- und Textnachrichten auf dem Samsung Galaxy S25 von Gina H. (30) ausgewertet und eine detaillierte Kommunikationsanalyse erstellt. Diese soll im Mordfall Fabian auf ein auffälliges Verhalten der Angeklagten hindeuten. Die Staatsanwaltschaft legt der 30-Jährigen zur Last, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober mit einem Messer getötet und seine Leiche anschließend in Brand gesetzt zu haben.
Am Donnerstag trat vor dem Landgericht Rostock ein 58-jähriger BKA-Fachmann als Zeuge auf, der seit 1999 im Bereich der operativen Fallanalyse tätig ist. Die Ermittler untersuchten die Kommunikation von Gina H. im Zeitraum vom 1. Januar 2024 bis zum 6. November 2025. Die zentrale Frage des Teams lautete: Hat sich das Verhalten der Beschuldigten vor und nach der Tat verändert? Was in den vergangenen Wochen vor Gericht bereits mehrfach zur Sprache kam, fasste der Experte nun in einer PowerPoint-Präsentation zusammen. Elf zentrale Verhaltensmuster von Gina H. wurden von den Ermittlern herausgearbeitet. BILD präsentiert die Erkenntnisse der Analyse.
Selbstbezogenheit: Die Angeklagte stellt die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt und zeigt wenig Einfühlungsvermögen für die Anliegen ihrer Gesprächspartner.
Streben nach Aufmerksamkeit und Anerkennung: Insbesondere gegenüber männlichen Kontakten zeigt sich ein ausgeprägtes Verlangen nach Aufmerksamkeit und Bestätigung.
Kontrollanspruch gegenüber Matthias R.: Auch im Alltag und während dessen Berufszeiten zeigt sich ein ausgeprägter Kontrollwille gegenüber R.
Eifersucht gegenüber Matthias R.: Das Kontrollverhalten wird durch Eifersucht und möglicherweise durch Angst vor dem Verlassenwerden angetrieben.
Verlagerung von Schuld: Im Streitverhalten mit Matthias R. zeigt sich ein eingespieltes Muster: Die Beschuldigte sucht die Ursache für Konflikte im Verhalten von R., während dieser Lösungsvorschläge für ihre Probleme unterbreitet, die sie jedoch häufig ablehnt. Eine Bereitschaft, selbst an der Lösung ihrer Probleme mitzuwirken, ist kaum erkennbar.
Ausgeprägte Emotionalität und Neigung zur Übertreibung: Zudem entsteht der Eindruck, dass die Beschuldigte bestimmte Situationen nur schwer ertragen kann.
Rasche Suche nach Unterstützung: Neue Aufgaben kann oder möchte sie offenbar nicht eigenständig bewältigen und sucht häufig und schnell nach Hilfe.
Oberflächliches soziales Umfeld: Das soziale Netz der Beschuldigten ist begrenzt und die Kontakte wirken eher oberflächlich. Im Bereich „Reiten/Pferde“ pflegt sie vorwiegend Kontakte zu Frauen; abseits dieses Themas überwiegen männliche Kontaktpersonen.
Zentrale Bedeutung des Themas „Pferde“: Das Thema „Pferde“ nimmt in ihrer digitalen Kommunikation einen größeren Raum ein als ihr Sohn J.
Finanzielle Schwierigkeiten mit Anspruchshaltung: Die Beschuldigte war vermutlich finanziell von Matthias R. abhängig, der offenbar auch einer Nebentätigkeit nachgeht. Trotz der angespannten finanziellen Lage hält sie es für selbstverständlich, ein Pferd zu finanzieren.
Situative Anpassungsfähigkeit: Sie passt sich ihren Gesprächspartnern und Situationen an, wobei ihr Tonfall die jeweilige Stimmungslage widerspiegelt. Im Austausch mit Matthias R. wirkt ihre Stimmlage wehleidig, leidend, genervt und gedrückt; Themen wie Kontrolle und Eifersucht stehen im Vordergrund. In der Kommunikation mit anderen zeigt sie sich weniger klagend, sondern zuversichtlich, teils freudig und reflektiert; dabei stehen Themen wie Fotos und Bestätigung im Mittelpunkt.







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