Hamburg – Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich der Abrissbagger durch das Gebäude in der Holstenstraße 197. Seit Anfang der Woche wird das einsturzgefährdete Mehrfamilienhaus schrittweise von oben nach unten demontiert – und damit auch der Besitz von Menschen, die ihre Wohnungen in kürzester Zeit räumen mussten. Nun sieht sich der Eigentümer, der Immobilienunternehmer Wolf-Peter Schneider (76), zunehmend juristischen Konsequenzen ausgesetzt: Eine Strafanzeige liegt vor, das Landeskriminalamt Hamburg prüft derzeit mögliche Straftatbestände.
Die Auswirkungen betreffen inzwischen weit mehr als nur die Bewohner des baufälligen Hauses. Für vier unmittelbar benachbarte Wohngebäude verhängte die zuständige Behörde Betretungsverbote, um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten. Mindestens 60 Bewohner können ihre Wohnungen derzeit nicht mehr nutzen. Sämtliche fünf Gebäude stehen laut den vorliegenden Grundbucheinträgen im Eigentum des Multimillionärs Schneider; die Holstenstraße 197 gehört ihm seit Februar 2007.

Den Großalarm von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk hatten erhebliche Risse in tragenden Bauteilen ausgelöst. Ein Statiker ordnete daraufhin die sofortige Evakuierung an. Am 23. Juli mussten die elf Mieter des betroffenen Hauses ihre Wohnungen innerhalb weniger Minuten verlassen, ebenso 21 Bewohner eines angrenzenden Gebäudes. Das THW sicherte das einsturzgefährdete Haus mit Stützmaßnahmen und sperrte den Bereich ab.
Bewohner bangen um ihre persönlichen Dinge
Vor Ort müssen die Anwohner mit ansehen, wie ihr Zuhause Stück für Stück verschwindet. Viele der Betroffenen rechnen nicht mehr damit, ihre Habseligkeiten jemals wiederzusehen: Möbel, Erinnerungsstücke und wichtige Unterlagen drohen unwiederbringlich in den Trümmern verloren zu gehen. Die Verbitterung ist spürbar – vor Ort fand bereits eine große Protestkundgebung statt.

Unangemessene Sprüche auf dem Abrissgerät
Für weitere Entrüstung sorgte der eingesetzte Abrissbagger. Auf dem Fahrzeug fanden sich Aufkleber mit den Aufschriften „Schuhe aus im Führerhaus“, „Schluck du Luder“ und „Fahrer spricht Deutsch“. Der Geschäftsführer der Abrissfirma äußerte sich gegenüber der „Hamburger Morgenpost“ dahingehend, der Maschinenführer habe die Sticker als „Spaß“ angebracht. Die Aufschriften seien mittlerweile entfernt beziehungsweise überklebt worden. Der Firmenchef entschuldigte sich für den Vorfall.
Stellungnahme des Eigentümer-Anwalts
Auf Nachfrage erklärt Schneiders Rechtsvertreter Ben Irle, dass seinem Mandanten keine Versäumnisse vorzuwerfen seien. Bei der Holstenstraße 197 handle es sich um einen Altbau, „bei dem es alters- und lagebedingt immer wieder zum Auftreten von Mängeln kommt“. Diese seien, „wo baulich erforderlich, auch selbstverständlich behoben worden“.






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