Seit zweieinhalb Wochen bereitet sich der HSV nun auf die neue Saison vor. Bis zum Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal beim SC Verl (24. August, 18 Uhr) bleibt noch ein Monat. Nach dem zweiten Trainingslager zieht Sportdirektor Claus Costa (42) im Gespräch eine erste Bilanz.
Herr Costa, wo steht der HSV? Wie fällt Ihr Fazit zur ersten Vorbereitungsphase aus?
Claus Costa: „Von gut bis sehr gut. Ein Blick zurück hilft bei der Einordnung enorm. Vergleicht man unseren Stand zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres mit dem heutigen, sehe ich in sämtlichen Bereichen einen gewaltigen Unterschied – beim Kaderbild, bei den Spielprinzipien, den Abläufen und der Handschrift des Trainer-Teams. Im vergangenen Jahr gab es einen großen Umbruch in der Spielidee, der Ausrichtung und den Prinzipien. Heute habe ich von Anfang an das Gefühl, dass wir auf einer völlig anderen Basis starten. Das vermittelt ein sehr gutes Gefühl. Das Fundament, auf dem wir aufbauen, liegt auf einem ganz anderen Niveau als 2025.“
Mit Kofi Amoako, Albert Grønbaek, Martin Adeline, Patson Daka und Bilal Nadir hat der HSV bislang fünf Neuzugänge verpflichtet. Sind Sie damit im Plan?
„Wir sind grundsätzlich sehr zufrieden mit dem, was wir bisher erreicht haben – und damit, dass wir zu diesem Zeitpunkt an diesem Punkt angelangt sind. Wir versuchen, die Dinge so umzusetzen, dass wir alle gemeinsam ein gutes Gefühl haben. Das war bislang bei jedem Transfer voll und ganz der Fall. Keinen der Spieler haben wir kurzfristig geholt, jeder von ihnen hat bei uns eine Vorgeschichte.“

Im Umfeld war die eine oder andere Person bereits nervös, weil es nach den frühen Verpflichtungen von Amoako und Grønbaek auf dem Transfermarkt längere Zeit ruhig blieb.
„Natürlich hätte jeder gerne zum ersten Trainingstag einen Kader, der bei Zu- und Abgängen komplett ist. Wir arbeiten mit Hochdruck. Dass die Leute eine gewisse Gier nach Transfer-News haben, gehört dazu. Wir lassen uns aber nicht treiben, um die Stimmung in der Öffentlichkeit zu befriedigen. Am Ende werden wir gute Dinge umgesetzt haben.“
Mit Adeline, Daka und Nadir haben Sie in den vergangenen elf Tagen drei Transfers abgeschlossen. Was erwarten Sie von Adeline?
„Bei Martin ist sehr klar, was man von ihm erwarten kann: viel Arbeit, eine hohe Laufleistung, Aktivität in die Tiefe und eine große Beharrlichkeit, in den Strafraum nachzulaufen. Das liegt an seinem Spielverständnis und seinem Fleiß. Er hat sich sehr früh zum HSV bekannt. In unserem Kader hatten wir viele Spieler, die lieber dem Ball entgegenkommen – er bringt das andere Element mit. In den ersten Tagen haben wir viel von dem gesehen, was wir uns erhofft haben.“
HSV: Was Costa an Daka schätzt
Daka war vom ersten Training an sofort voll dabei. Welche Erwartungen haben Sie an ihn?
„Einen Stürmer zu holen, der 20 Tore plus x garantiert, ist für uns nicht umsetzbar. Außer Kane und Haaland gibt es davon nur wenige. Wir sind gefordert, kreative Lösungen zu finden. Patson hat das Profil, das wir zumindest bei einem unserer Stürmer sehen wollen: Intensität im Anlaufen, Schnelligkeit, Power und Körperstabilität. Er ist ambitioniert und hat Lust auf den Schritt zum HSV. In einem Videocall haben wir ihn viel gefragt, was ihm wichtig ist und was er braucht, um bestmöglich zu spielen. Wir haben ihm aufgezeigt, warum wir glauben, dass er mit seinem Profil in seiner jetzigen Situation einen großen Mehrwert für uns bieten kann. Auch bei ihm ging es relativ schnell: Er sagte, er wolle das machen.“
Als vorerst Letzten haben Sie am Freitag Nadir verpflichtet.
„Bilal ist ein spannender Spieler. Er hat sich in jungen Jahren bereits bei Olympique Marseille etabliert. Wir haben uns in den vergangenen Jahren schon mit ihm beschäftigt. Als nun sein Vertrag auslief und klar war, dass er für den nächsten Schritt bereit ist, wollten wir es nicht unversucht lassen, ihn zu holen. Wir schätzen seine Gesamtqualität sehr hoch ein und sehen ein großes Entwicklungspotenzial. Er hatte große Lust, nach Deutschland zu kommen. Der Austausch war sehr klar.“
Im Mittelfeld verfügt der HSV mit Remberg, Sambi Lokonga, Grønbaek, Adeline, Nadir und Amoako über viele Optionen. Fabio Vieira haben Sie weiterhin im Visier.
„In der vergangenen Saison hatten wir einen Qualitätsverlust, wenn Albert Sambi Lokonga nicht gespielt hat. Unser Ansatz war, im Mittelfeld – das war schon in der Vorsaison unser Prunkstück – noch einmal gezielt Qualität hinzuzufügen. Wir sind sehr froh, dass uns das gelungen ist.“

Es macht den Eindruck, als wollten Sie die Mannschaft breiter aufstellen. Ist dieser Eindruck richtig?
„Wir wollen den Kader qualitativ in der Spitze verstärken, aber auch in der Breite so aufstellen, dass wir über die Saison für verschiedene Situationen gewappnet sind. Da sehe ich uns auf einem guten Weg. Die Transferphase geht ja auch noch ein wenig (bis zum 1. September, Anm. d. Red.)...“
Suchen Sie noch einen zentralen Innenverteidiger, Außenbahnspieler für beide Seiten und einen Stürmer?
„Ich würde mich nicht konkret auf eine Zahl festlegen. Es könnte auch ein Ansatz sein, einen Spieler zu verpflichten, der auf beiden Schienen agieren kann. Ja, wir suchen noch einen Innenverteidiger. Aber: Mit Jordan Torunarigha im Zentrum haben wir in der vergangenen Saison in Mainz defensiv auch ein hervorragendes Spiel gemacht.“
Sahiti, Pherai und Dompé gelten als Kandidaten für einen Abgang. Drängt der Verein die Spieler zum Wechsel?
„Wir drohen keinem Spieler. Der eine oder andere kann aber antizipieren, dass er woanders womöglich größere Chancen auf mehr Spielzeit hätte. Wir sind in Gesprächen. Aktuell gibt es wenig Bewegung. Die Transferperiode läuft aber noch fünf Wochen.“
Mit welchen Zielen und Erwartungen gehen Sie in die Saison?
„Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren. Das ist das oberste Ziel. Bei Punkten wie Energie auf dem Platz und einem Zusammenhalt im gesamten Verein wollen wir dort weitermachen, wo wir in der vergangenen Saison aufgehört haben. Wir wollen wieder über einen großartigen Teamspirit kommen und uns nicht gegenseitig zerfleischen. Im Training steckt aktuell sehr viel Energie und Intensität. Das war uns bei der Kaderzusammenstellung auch sehr wichtig. Im letzten Jahr haben es die Trainer geschafft, nach einem großen Umbruch mit vielen neuen Spielern sehr schnell eine homogene Einheit zu formen. Das verdient ein riesiges Kompliment an die Trainer.“


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