Berlin – Die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden ist ungebrochen, doch bei vielen Eigentümern wächst die Sorge um den Verbleib in ihrem Zuhause. Einer aktuellen Forsa-Erhebung zufolge, an der 2248 Personen teilnahmen, fürchtet inzwischen ein Fünftel aller Immobilienbesitzer, das eigene Heim nicht dauerhaft halten zu können. In den neuen Bundesländern ist diese Besorgnis mit einem Viertel der Befragten sogar noch ausgeprägter. Die Umfrage entstand im Auftrag des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN).
Besonders betroffen sind Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 2500 Euro: Hier gibt fast jeder Dritte (28 Prozent) an, um die eigene Immobilie zu bangen – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 24 Prozent. Aber auch in der Gruppe mit mehr als 4000 Euro netto ist die Verunsicherung gestiegen: Der Anteil der stark Besorgten kletterte von 15 auf 18 Prozent.
Die Ursachen für die zunehmende Nervosität sind vielfältig: Deutlich gestiegene Zinsen für Baukredite belasten die Finanzierung. Parallel dazu zehren hohe Ausgaben für den Lebensunterhalt und die Nebenkosten der Immobilie am Budget. Kommen dann noch energetische Modernisierungen, ungeplante Reparaturen oder eine teure Anschlussfinanzierung hinzu, geraten viele Eigentümer schnell an ihre finanziellen Grenzen. VDGN-Präsident Jochen Brückmann (59) kommentiert die Entwicklung mit deutlichen Worten: „Dass sich die Angst weiter verfestigt hat, ist fatal. Verloren gegangenes Vertrauen kann nur langsam zurückgewonnen werden.“
Der Wunsch nach Eigentum ist in ganz Deutschland ähnlich stark
Ungeachtet der Sorgen träumen weiterhin 59 Prozent der Deutschen sowohl im Westen als auch im Osten von einem eigenen Haus; für 17 Prozent wäre eine Eigentumswohnung die bevorzugte Lösung. Am größten ist dieser Wunsch in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen. Jan Marco Luczak (50), wohnungspolitischer Sprecher der CDU, sieht darin ein gesellschaftliches Problem: „Viel zu wenige können sich diesen Traum erfüllen. Das ist Nährboden für Frust und nimmt die Motivation, sich anzustrengen.“ Als größte Hürden benennen die Umfrageteilnehmer die hohen Baukosten (91 Prozent), gefolgt von den Lebenshaltungskosten (80 Prozent) und den Nebenkosten für das Haus (68 Prozent). Jeweils 62 Prozent nennen zudem die Zinsbelastung und fehlendes Eigenkapital als Hindernisse.
Eine monatliche Rücklage von 1,50 Euro pro Quadratmeter als Puffer
„Neubauten lassen sich heute viel schlechter bezahlen, weshalb die Leute zunehmend gebrauchte Häuser wählen. Vor fünf Jahren hat man einen Kredit noch für ein Prozent bekommen, heute zahlt man 4 Prozent. Wer im Monat 2000 Euro zur Verfügung hat, konnte damals ein Haus für 400.000 Euro kaufen, heute schultert man damit vielleicht 330.000“, erläutert Hermann-Josef Tenhagen (63), Chefredakteur von „Finanztip“. Sein dringender Ratschlag an Käufer lautet: „Von Anfang an 1,50 Euro pro Quadratmeter und Monat beiseitelegen.“ Auf diese Weise entstehe ein finanzielles Polster für unvorhergesehene Reparaturen.

Handlungsempfehlungen bei finanzieller Überlastung
Wer unter der monatlichen Rate ächzt, sollte nicht zögern, sondern aktiv werden. Die Verbraucherzentrale rät dazu, die Ausgaben zu überprüfen und zu senken. Zudem könne man über zusätzliche Einnahmen, etwa durch die Untervermietung von Zimmern, nachdenken und das Gespräch mit der eigenen Bank suchen. In manchen Kreditverträgen ist es möglich, die Tilgung vorübergehend zu reduzieren, was die monatliche Belastung spürbar verringert.
Eine detaillierte Prüfung der Heizkosten bietet der Heiz-Check von co2online. Dort können Verbraucher ihre Werte vergleichen und mögliche Einsparpotenziale identifizieren.
Experten für Verbraucherfragen aus Baden-Württemberg geben zudem einen langfristigen Tipp: „Es kann sinnvoll sein, die Schuldenfreiheit mehrere Jahre vor Rentenbeginn anzustreben und danach noch verstärkt in die Altersvorsorge zu investieren.“
SPD-geführte Ministerien sind am Zug
Die Bereitschaft zur energetischen Sanierung hält sich laut der Forsa-Studie derzeit in Grenzen: Nur etwa jeder Sechste plant entsprechende Maßnahmen am eigenen Haus. 36 Prozent der Befragten schrecken vor allem vor den hohen Kosten und der unklaren energiepolitischen Lage zurück – insbesondere bei den Förderprogrammen. CDU-Politiker Luczak setzt dagegen auf den sogenannten Gebäudetyp E (einfacherer Baustandard) als Kostenbremse: „Statt teurem Goldstandard müssen wir einfaches und kostengünstiges Bauen zum neuen Normal machen. Hier müssen die zuständigen SPD-geführten Justiz- und Bauministerien endlich einen Gesetzentwurf vorlegen.“
Eine weitere Entlastungsidee kommt von VDGN-Präsident Brückmann: Er fordert vom Bund eine rechtliche Grundlage, die es den Ländern ermöglicht, Erstkäufer von der Grunderwerbsteuer zu befreien. „Da spart man bei einer einfachen Immobilie ab 30.000 Euro.“ Ob dieser Vorschlag Realität wird, ist jedoch noch völlig offen – bislang handelt es sich lediglich um eine politische Forderung.



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