Berlin – Der SPD steht ein politischer Herbst mit enormem Zündstoff bevor: Im September entscheiden drei Landtagswahlen im Osten über die Zukunft der Partei. Szenarien reichen von herben Verlusten bis hin zum erstmaligen Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde in Sachsen-Anhalt. Die Anspannung in Partei und Funktionärskreisen wächst spürbar – und mit ihr die Frage, welche personellen Konsequenzen folgen werden.

Eine interne Umfrage des Pik unter zahlreichen SPD-Mandatsträgern und Parteifunktionären zeigt: Die Führungsduos Lars Klingbeil (48) und Bärbel Bas (58) stehen massiv unter Druck. In Hintergrundgesprächen fällt immer häufiger ein Name als möglicher Nachfolger.

1. Szenario: Scheitern in Sachsen-Anhalt

Sollten die Sozialdemokraten am 6. September die Fünf-Prozent-Marke in Sachsen-Anhalt verfehlen, wäre die Parteiführung nicht mehr zu halten. „In diesem Fall führen Rücktritte kaum an Bas und Klingbeil vorbei“, erklärt ein führender Genosse aus dem Osten. Andere Stimmen präzisieren: Klingbeil müsse zwingend gehen, während Bas bleiben könnte.

Für eine mögliche Nachfolge wird in Parteikreisen besonders häufig Manuela Schwesig (52) genannt. Die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern könnte die Partei künftig allein führen. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (59) findet in einigen Gesprächen Erwähnung.

2. Szenario: Überwinden der Fünf-Prozent-Hürde

Gelingt der Einzug in den Landtag, dürfte zunächst für 14 Tage Ruhe einkehren – bis zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 20. September. Anschließend könnte sich zumindest einer der beiden Co-Vorsitzenden zurückziehen, vermutlich Klingbeil. „Der Herbst muss Veränderungen bringen“, fordert ein ranghoher Sozialdemokrat.

Zukünfrige Doppelspitze der SPD

3. Szenario: Triumph in Mecklenburg-Vorpommern

Laut aktuellen Infratest-Zahlen liegt die SPD im Nordosten bei 29 Prozent, während die AfD mit 36 Prozent führt. Sollte es Schwesig gelingen, die Rechtsaußen-Partei zu überholen, gilt ihr Aufstieg an die Parteispitze als nahezu sicher. Einige Genossen gehen sogar weiter: Dann sei Schwesig auch die Kanzlerkandidatur kaum noch zu nehmen.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die Schwesigs Einfluss begrenzen möchten: Sie sehen in der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (50) eine mögliche Kandidatin für den SPD-Vorsitz. In der Frage der Kanzlerkandidatur gilt Verteidigungsminister Boris Pistorius (66) als einzige realistische Option: „Angesichts seiner Umfragewerte kommt kein anderer Kandidat in Frage.“