Southampton (Großbritannien) – Während einer Regenpause fallen Sonnenstrahlen auf einen verwitterten Holzzaun. Aus dem unscheinbaren Haus dahinter tritt für einen kurzen Moment ein Mann mit blauem Turban aus der Tür und geht in den kargen Vorgarten. Es ist das Lebenszeichen, auf das wir, die Reporter, seit einer Stunde warten: Der Mann, mit dem wir sprechen wollen, ist zu Hause. Er spaltet mit seinem inhaftierten Bruder, der in Southampton den Studenten Henry Nowak (18) erstach, das Land. Die entsetzliche Bluttat sorgt für Wut, Tränen, Demonstrationen und Gewalt – wegen des Vorwurfs des „umgedrehten Rassismus“ bei der englischen Polizei!
Als der Mann mit dem Turban sofort wieder im Haus verschwindet, klopfen wir an die Tür, an der kein Name steht. Angespanntes Warten. Nichts passiert, kein Laut ist aus dem Inneren zu hören. Wir klopfen noch einmal deutlich hörbar – wieder vergeblich. Im Haus, wie wir wenig später erfahren, wählt Gurpreet Digwa (27) den Notruf. Die Polizei ist auf dem Weg.

Wir sind auf Spurensuche in der Hafenstadt an Englands Südküste (250.000 Einwohner). Erst vor drei Tagen erfuhr die britische Öffentlichkeit von Richter William Mousley die ganze Wahrheit über ein unfassbares Verbrechen, das Großbritannien aufwühlt.
In der Nacht des 3. Dezember ist Henry Nowak (18) auf dem Heimweg. Beim Anblick einer fremden Gestalt beschleicht ihn eine unbehagliche Vorahnung. Es ist die lange Klinge an ihrem Gürtel, die ihn erschaudern lässt. „Bist du ein böser Mann?“, fragt der Student besorgt. „Ja“, antwortet Vickrum Digwa (23). „Ich bin ein schlechter Mann.“ Dann zieht der Sikh sein Schwert aus der Scheide und rammt es dem wehrlosen Henry in die Brust.

Lange bleibt unklar, was in den folgenden Minuten geschah. Bis Richter Mousley die Öffentlichkeit wissen lässt, wie Gurpreet Digwa, Bruder des Mörders, in jener Nacht den Notruf wählt. Wie er die Beamten zwölf quälend lange Minuten am Telefon belügt. Wie er dreist behauptet, Vickrum Digwa sei rassistisch angegriffen worden. Wie erst sieben Minuten später die Polizei am Tatort eintrifft, der nur 250 Meter von der Wache entfernt ist.
Wie die Beamten den jungen Studenten festnehmen, obwohl er auf kaum zu ertragenden Aufnahmen der Bodycams siebenmal wimmert: „Ich kann nicht atmen.“ Und wie der sterbende Teenager in Handschellen gefesselt verblutet. Es ist eine Wahrheit, die Southampton ins Chaos gewaltsamer Ausschreitungen stürzt. Und eine kaum zu stoppende Debatte über umgekehrten Rassismus entfacht.
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Spurensuche in Southampton
Ein halbes Jahr später liegen vor der Polizeiwache unweit des Tatorts Blumen und Bilder des getöteten Henry Nowak neben flackernden Kerzen. Ryan (32) kniet vor dem Blumenmeer.
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„Der Killer hat schon immer die Rassismus-Karte gespielt. Das ist hier bekannt. Immer wieder ist er in der Nachbarschaft mit Messern aufgefallen. Nie hatte das Folgen“, sagt er verbittert und spricht das aus, was viele Menschen auf die Straße treibt. „Man hat den Eindruck, die Polizisten sind Rassisten. Zählen weiße Leben nichts? Wenn das so weitergeht, endet Großbritannien bald im Bürgerkrieg.“
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US-Vize schaltet sich ein
Der Polizeichef von Hampshire, Alexis Boon (50), bestreitet entschieden die unfaire Behandlung von Bürgern wegen ihrer Herkunft. Wie auch Premierminister Keir Starmer (63). US-Vizepräsident JD Vance (41) spricht dagegen von gerechtfertigter Wut. Längst ist die Debatte kein nationales Thema mehr. „Henry Nowak starb so, wie eine Zivilisation stirbt: im Stich gelassen, gefesselt von Behörden, die ihm weder vertrauten noch sich um ihn kümmerten.“
Die Stimmung in England kippt, das Land wird mehr und mehr gespalten. Rechtsextreme Influencer wie Tommy Robinson (43) mobilisieren regelmäßig Zehntausende auf die Straßen. „White lives matter“, riefen die Menschen zuletzt laut in Southampton. „Weiße Leben zählen.“

Das passierte vor dem Mord
Nowaks letzte vier Stunden lassen sich mit Aufzeichnungen von Überwachungskameras lückenlos rekonstruieren. Um 20.30 Uhr verlässt der Student sein Wohnheim. Er trägt ein weißes Hemd und eine Krawatte, darüber einen dunklen Pulli. Im Aufzug schaut er im Spiegel, ob die Frisur sitzt. So macht er sich auf den Weg durchs nächtliche Southampton.
In einem Supermarkt kauft er ein Getränk, bevor er die bei Studenten beliebte Bar „The Hobbit“ betritt. „Ich erinnere mich an ihn“, sagt der Türsteher zu. „Ich kontrollierte an diesem Abend seinen Ausweis. Henry war nicht betrunken, mit ihm gab es nie Probleme.“



Um 23.07 Uhr macht sich Nowak auf den Heimweg. Richter Mousley beschrieb den Weg des Studenten bis zur Belmont Road, an der er auf seinen Killer trifft. Offenbar filmte Henry das auffällige Zeremonienschwert der Sikhs an Digwas Gürtel mit seinem Handy. Dann eskalierte die Situation.

Vier Stiche treffen Henry Nowak in Brust und Oberschenkel. Den verzweifelten Todeskampf seines Opfers filmt Vickrum Digwa mit dem Handy. „Er ignorierte seine Verzweiflung“, so der Richter, der den Sikh für den grausamen Mord für mindestens 21 Jahre ins Gefängnis schickt. Die Gemüter konnte das Urteil nicht beruhigen.

„Die Art, wie Henry behandelt wurde, war unmenschlich und erniedrigend“, sagte Henrys Vater gleich nach der Urteilsverkündung.
Der stellvertretende Polizeichef Robert Francis hat sich mittlerweile öffentlich entschuldigt. Er sagt: „Es tut mir wirklich leid, dass Henry verhaftet und in Handschellen gefesselt wurde, kurz bevor er das Bewusstsein verlor. Aber die Beamten waren in einer unklaren Situation. Jetzt wissen wir, dass sie belogen worden sind.“
Familie des Mörders ruft Polizei
Zwölf Minuten lang belog Gurpreet Digwa am Notruf-Telefon die Polizei. „Wir sind Sikhs“, sagte er zu den Beamten in der Leitung. „Wir tragen Turbane und mein Bruder ist gerade angegriffen worden.“ Sieben Minuten brauchte die Polizei nach dem Anruf für die 250 Meter bis zum Tatort. Eine halbe Ewigkeit. Auch wenn bei einer Obduktion festgestellt wurde, dass Henry wahrscheinlich nicht hätte gerettet werden können, selbst wenn seine Verletzungen sofort erkannt worden wären.

Anders als in der Nacht vom 3. Dezember 2025 reagiert die Polizei beim Besuch der Reporter beim Bruder des Mörders blitzschnell: Zehn Beamte umstellen sie, nachdem die Journalisten kurz zuvor an das Haus der Familie klopften. Kontrolle, dann bitten die Beamten die Reporter, zu gehen. Die Nerven in Southampton liegen blank.

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