Nürnberg (Bayern) – Ihre Kindheit wurde ihr geraubt, tausende Kilometer vom deutschen Alltag entfernt. Statt unbeschwerter Jahre soll die damals Achtjährige auf den Philippinen über einen langen Zeitraum in Online-Chats den Anweisungen eines erwachsenen Mannes gefolgt sein, der ihre Notlage für sich nutzte und ihre Jugend für einen geringen Geldbetrag ausbeutete. Per Livestream soll der Siemens-Ingenieur Michael M. (53) das Kind sexuell missbraucht haben. „Ich weiß, dass du das nicht magst, aber es macht mich happy“, schrieb der Mann aus Großenseebach an sein Opfer. Am Montag sprach das Landgericht Nürnberg-Fürth ein Urteil: Sieben Jahre Haft wegen 78-fachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.
Seine verwerflichen Chat-Nachrichten verfasste der geständige Angeklagte Berichten zufolge sogar teilweise während beruflicher Termine. Das inzwischen elfjährige Mädchen hatte sich in ein Kinderheim geflüchtet und dort einer Hilfsorganisation anvertraut. Sie schilderte, wie sie über WhatsApp-Anweisungen des Deutschen aufgefordert wurde, sich zu entkleiden und sexuelle Handlungen mit diversen Gegenständen durchzuführen.

Michael M., der seine Aktivitäten und Ausgaben akribisch dokumentierte, geriet nach einem Hinweis aus Australien ins Visier der Ermittler und wurde am 21. Mai 2025 festgenommen. In seinen Aufzeichnungen fanden die Beamten den Vermerk: „Zwei Wochen Sex-Urlaub sind noch drin“.
Angeklagter schweigt vor Gericht
Während des etwa einmonatigen Prozesses äußerte sich M. nicht selbst; sein Anwalt sprach von „freundschaftlichen Gefühlen“ des Angeklagten für das Mädchen und behauptete, die Mutter habe sich zunächst an ihn gewandt und das Bildmaterial angeboten. „Er hat sich eingeredet, es würde ihr nicht schaden. Sie hätte Nein sagen können“, so die Verteidigung.
Nach Erkenntnissen des Gerichts suchte Michael M. in einem einschlägigen Dating-Forum unter dem Pseudonym „Open minded“ gezielt nach noch jüngeren Kindern, denen er für ihre Dienste bis zu 300 Euro pro Tag in Aussicht stellte. Am 24. Oktober 2020 reiste er selbst nach Angeles City auf den Philippinen und fotografierte das damals Zehnjährige in Anwesenheit seiner Mutter nackt. Als das Kind sich weigerte weiterzumachen, drohte er, die Zahlungen einzustellen – die manchmal nur 800 philippinische Pesos (11,39 Euro) pro Missbrauch betrugen.
11.118 Missbrauchsbilder auf sieben Festplatten
Bevor Michael M. das Mädchen auch an einen Amerikaner und einen Briten mit entsprechenden Neigungen vermitteln konnte, wurden er und die Mutter festgenommen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden auf sieben Festplatten 11.118 kinderpornografische Fotos und 87 Videos sichergestellt, außerdem ein Schlagring und ein Faustmesser. Richter Claas Werner erklärte in der Urteilsbegründung: „Sie haben bei Ihren Handlungen das wirtschaftliche Gefälle ausgenutzt und als Konsument kinderpornografischen Materials ein Netzwerk mit hoher Dunkelziffer mit am Laufen gehalten.“
Das missbrauchte Kind wandte sich in einer Video-Botschaft direkt an ihren Peiniger: „Ich hoffe, du wirst es niemand anderem mehr antun.“ Sie nahm die Entschuldigung von M. an, der zudem eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 35.000 Euro leistete.








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