Frankfurt – Während des Eintracht-Trainings am Mittwoch verfolgten zahlreiche Kinder die Einheit. Besonders begeistert waren die jungen Fans vom deutschen Nationalspieler Jonathan Burkardt (25), der ihnen ganz nah kam. Der ehemalige Mainzer hat sich bereits zu einem Publikumsliebling in Frankfurt entwickelt. Klub-Ikone Sebastian Rode (35) sieht in ihm sogar den idealen Nachfolger: „Er stammt aus der Region, war schon als kleiner Junge Eintracht-Fan und ist einfach ein fantastischer Mensch.“ Doch hinter den Kulissen brodelt es: Ein Konflikt zwischen Trainer Albert Riera (45) und Burkardt sorgt für erhebliche Spannungen.

Riera delegiert unangenehme Aufgabe

Laut Informationen äußerte Riera Kritik an Burkardts Fitnesswerten, insbesondere der angeblich zu hohe Körperfettanteil des Stürmers missfiel dem Coach. Statt das Gespräch persönlich zu suchen, beauftragte Riera jedoch Co-Trainer Jan Fießer (39), Burkardt die unangenehme Botschaft zu überbringen. Der Angreifer zeigte sich irritiert – nicht nur, weil der Trainer das direkte Gespräch scheute, sondern auch, weil Riera ausgerechnet den einzigen Co-Trainer vorschickte, den er nicht mit nach Frankfurt gebracht hatte.

Burkardt ärgerte sich zudem über die Rüge, da seine Werte nur geringfügig über denen der vorherigen Messung lagen und er sich in Topform fühlt. Hinzu kam: Später monierte Riera auch Burkardts Rückwärtsbewegung bei Ballverlusten – ein Vorwurf, der den als fleißigen Anläufer bekannten Stürmer verwunderte. Nach dem Gespräch mit Fießer suchte Burkardt den Austausch mit seinem Berater Thomas Kroth. Der Ex-Profi zeigte sich überrascht und kontaktierte umgehend Frankfurts Sport-Vorstand Markus Krösche (45).

Riera konfrontiert Burkardt direkt

Krösche suchte daraufhin das Gespräch mit Riera, um sich ein genaues Bild von der Situation zu machen. Der Trainer soll dies als massiven Eingriff empfunden haben. Denn nach Informationen fuhr Riera den verdutzten Burkardt im Vorbeigehen an, der Stürmer sei der Grund für das ernste Gespräch mit Krösche gewesen. Kein Wunder, dass Burkardt in Augsburg 88 Minuten auf der Bank saß. Für den Top-Torjäger (zehn Liga-Tore) eine Demütigung – für die Eintracht im Kampf um Europa eine unnötige Schwächung.

Jonathan Burkardt (25/l.) auf der Eintracht-Bank
Jonathan Burkardt (25/l.) auf der Eintracht-Bank

Dass der Trainer heikle Themen nicht direkt mit seinen Stars bespricht, wird von den Führungsspielern zunehmend kritisch gesehen. Besonders, da es nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Riera gilt als unberechenbar und mitunter rücksichtslos. Bei vielen Spielern hat sich bereits eine große Verunsicherung breitgemacht.

Burkardt kämpft unterdessen um seinen Stammplatz bei Riera – auch, um sich die Chance auf eine WM-Teilnahme offen zu halten. Die Aussichten sind derzeit zwar nicht optimal, doch der Vorzeigeprofi gibt weiterhin Vollgas. So auch am Mittwoch im Training, als er als Letzter mit den Sprints aufhörte. Der Neuzugang gilt als absoluter Teamplayer, wurde von den Mitspielern zum weiteren Kapitän gewählt und erfüllt diese Rolle gewissenhaft. Auf dem Platz mit vollem Einsatz, daneben mit präzisen Analysen und klaren Worten. Krösche: „Er war von Anfang an einer der Führungsspieler, weil er nicht nur fußballerisch top ist, sondern auch charakterlich sehr reif.“

Führungsriege entmachtet?

Albert Riera zeigt für solche Qualitäten wenig Verständnis. Auch andere Führungsspieler fühlen sich vernachlässigt: Arthur Theate (25, vierter Kapitän) und Mario Götze (33, zweiter Kapitän) sehen sich an den Rand gedrängt. Mit Kapitän Robin Koch (29) gab es ebenfalls bereits Differenzen. Intern wächst die Kritik an Rieras System. Der Vorwurf: Der Trainer geht zu wenig auf das vorhandene Spielermaterial ein und versucht, seine Ideen mit allen Mitteln durchzusetzen. Dabei setzt er Spieler auf ungewohnten Positionen ein, wo sie ihre Stärken nicht ausspielen können. Zudem hat Riera es bislang nicht geschafft, seine Stürmer optimal einzusetzen. Vor diesem Hintergrund wirkt sein Umgang mit Burkardt umso fragwürdiger.

Klar ist: Im Heimspiel gegen Hamburg am Samstag (15.30 Uhr) steht Eintracht Frankfurt unter Siegzwang. Alle Augen werden darauf gerichtet sein, auf welche Führungsspieler Riera setzt. Sollte auch dieses Spiel verloren gehen, dürften die Argumente für eine Weiterbeschäftigung Rieras über die Saison hinaus deutlich schwinden.