Washington – „Ich bestimme hier die Richtung!“ Fast verzweifelt versuchte Donald Trump (79), die eskalierende Gewalt im Nahen Osten zu stoppen, nachdem der Iran am Sonntag erneut Raketen auf Israel abfeuerte und der jüdische Staat eine Vergeltung erwog. Trump wirkte hilflos – und erlitt eine Blamage: Er behauptete, Israels Premier Benjamin „Bibi“ Netanjahu (76) angewiesen zu haben, auf den Angriff der Mullahs zu verzichten. Doch Netanjahu ließ sich nicht beirren und feuerte Raketen auf den Westen des Iran.
Es hat den Anschein, als habe Trump die Kontrolle über den von ihm initiierten Iran-Krieg verloren. Und dies fügt sich nahtlos in ein Muster ein: Trump büßt sichtbar an Macht ein – und das in rasantem Tempo.
Schwierige Suche nach einem Ausweg aus dem Iran-Konflikt
Trump strebt offenkundig einen Ausstieg aus dem Iran-Krieg an. Weitere US-Bombenabwürfe kommen für ihn nicht in Betracht – das Risiko für die Weltwirtschaft und seine eigene Popularität ist zu hoch. Daher wiederholt er seit Wochen gebetsmühlenartig, wie erfolgreich und zügig die angeblichen Friedensverhandlungen voranschreiten. Doch das Mullah-Regime provoziert weiter und eskaliert, beschießt Kuwait und sogar Israel. Es ist nicht mehr zu übersehen: Nach hundert Tagen Krieg zeigt sich Teheran strategisch gestärkt – und Trumps Appelle verhallen ungehört.
Verbündete fordern ihn heraus
Bislang stand Trump unerschütterlich an der Seite Israels. Doch der Iran-Krieg treibt einen Keil in das Bündnis. In einem angeblichen Wut-Telefonat soll Trump den israelischen Regierungschef angeschrien und als „fucking crazy“ („total verrückt“) bezeichnet haben. Es scheint, als würde Amerikas treuester Verbündeter Israel nicht mehr auf ihn hören – nachdem ihm die Nato-Staaten in Europa im Iran-Konflikt ohnehin bereits die Gefolgschaft verweigert haben. Noch dazu: Immer häufiger widersprechen Europäer ihm inzwischen offen. Ein Paradebeispiel sind die Konter von Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni auf Trumps Attacken gegen den Papst.

Rebellion in den Reihen der Republikaner
Auch in seiner eigenen Partei regt sich zunehmend Widerstand gegen Trumps Politik. Ein geplanter Milliardenfonds, der Trump-Loyale „entschädigen“ sollte – darunter möglicherweise auch Randalierer des Kapitol-Sturms vom 6. Januar 2021 – löste eine Revolte unter den Republikanern aus. Immer häufiger stimmen zumindest einige Konservative mit den Demokraten: etwa bei einer Initiative zur Einschränkung von Trumps Kriegsvollmachten im Iran-Konflikt. Oder bei einer Abstimmung für verstärkte Waffenhilfe an die Ukraine.
Steht Trump bereits als „lahme Ente“ da?
Außenpolitik-Experte Scott Erb, Professor an der University of Maine at Farmington: „Für Trump beginnt nun die Phase als ‚lahme Ente‘ (Lame Duck). Das bedeutet, dass er sich nicht mehr wie zuvor auf die Unterstützung des Kongresses verlassen kann.“ Ursache für den Unmut im Inneren: das Scheitern im Iran-Krieg und Trumps Fixierung auf Prestigeprojekte wie seinen pompösen Ballsaal oder den UFC-Kampf im Weißen Haus. Diese Vorhaben seien eher eine Belastung als ein Gewinn.
„Zweitens hat die internationale Gemeinschaft erkannt, dass eine Politik des Nachgebens gegenüber Trump nichts bringt; daher ist sie mehr denn je bereit, sich ihm zu widersetzen. Da die USA durch die Lage im Iran gebunden und somit geschwächt sind, lässt sich Trump leichter ignorieren“, so Erb weiter.
Keine Fortschritte unter Trump im Ukraine-Krieg
Auch beim Ukraine-Krieg wird Trump zunehmend zur Randfigur. Ein Gipfeltreffen, Telefonate und Beschwörungen brachten Kremlchef Wladimir Putin (73) nicht zum Einlenken. Trump wollte den Krieg am ersten Tag im Oval Office beenden – inzwischen sind mehr als 500 Tage vergangen, und die Ukraine steht plötzlich nicht mehr als Bittsteller da, sondern hat dank ihrer Drohnen die Oberhand gewonnen. Trotz Trump.

Interview-Eklat offenbart Nervosität
Dass die Rückschläge Spuren an Trumps Nervenkostüm hinterlassen, zeigte sich auch bei einem Interview mit NBC-Moderatorin Kristen Welker (49). Trump brach es abrupt ab. „Ich habe genug“, sagte er, stand auf und ging.
Trumps Popularität ist in Umfragen zuletzt auf Tiefstwerte gefallen. Auch das ist ein Alarmzeichen. Seine als MAGA-Revolution gefeierte Bewegung zeigt erste Risse.
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