Magdeburg (Sachsen-Anhalt) – Am Männertag 2024 liegt ein 33-jähriger Mann im Sterben am Boden. Über ihm steht ein 14-Jähriger, der nicht hilft, sondern lacht – und die brutale Szene mit seinem Smartphone aufzeichnet. „Guckt, den habe ich umgehauen. Ich schwör’, der steht nicht mehr auf.“ Mit diesen zynischen Worten kommentiert Fred J. (zum Tatzeitpunkt 14 Jahre) sein Prügelvideo und verspottet das Opfer Steven Z. (33). Der Täter lädt die Aufnahme bei Snapchat hoch. Die Gewalttat aus Magdeburg wird vielfach geteilt und kommentiert.

Vier Tage später erliegt Betonbauer Steven Z. in der Universitätsklinik seinen schweren Verletzungen. Genau dieses Video bildet nun einen zentralen Beweis in der Anklage (Az. 503 KLs 14/25) der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Haupttäter Fred J. (heute 16) muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht verantworten.

Das Foto von Steven Z. mit seinem geliebten Hund Arco. Der Magdeburger fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Alt-Olvenstedt
Das Foto von Steven Z. mit seinem geliebten Hund Arco. Der Magdeburger fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Alt-Olvenstedt

Die Große Jugendkammer verhandelt unter Vorsitz von Richter Thomas Schulz unter strengen Sicherheitsmaßnahmen und bei geschlossenen Türen. Der angeklagte Haupttäter Fred J. ist mittlerweile 16 Jahre alt. Die Mutter und der Bruder des Getöteten treten als Nebenkläger auf und werden von Opferanwältin Christine Habetha vertreten. Diese übt Kritik: „Ich habe bereits im Zwischenverfahren dargelegt, dass wir den Anklagevorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge für nicht angemessen halten. Wir gehen von einer Vorsatztat aus. Die Anklage hätte Totschlag lauten müssen.“

Der Vorsitzende Richter Thomas Schulz verhandelt aktuell den Fall
Der Vorsitzende Richter Thomas Schulz verhandelt aktuell den Fall

Tatmotiv: Ein Konflikt mit dem Vater

Zu Beginn des Prozesses legt Fred J. ein Geständnis ab. „Er hat geweint und ließ sich Taschentücher reichen. Aber seine Tränen galten nicht unserem Steven, sondern seiner Ungewissheit darüber, was nun aus ihm wird“, berichten die Nebenkläger. Als Motiv für die Tat gibt der Angeklagte einen heftigen Streit mit seinem Vater kurz zuvor an – er sei voller Wut und Aggression gewesen.

In Anwesenheit seiner Mutter wird Fred J. von Reportern auf das mittlerweile gelöschte Snapchat-Video angesprochen. „Ja, das habe ich auch den Richtern erklärt. Mehr sage ich nicht dazu.“

Als das Video am zweiten Verhandlungstag gezeigt wird, verlässt die Mutter des Opfers den Saal: „Ich habe nicht die Kraft, mir das anzuschauen. Ich hoffe nur, dass der Täter die maximal mögliche Strafe erhält.“

Prozess ohne öffentliche Zuschauer

Das Verfahren findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Justizwachtmeister kontrollieren alle Prozessbeteiligten und Zeugen, Mobiltelefone müssen abgegeben werden. Im Gerichtssaal 108 sind keine Zuschauer zugelassen.