Sie nennen sich die „Daltons“. Doch mit der tollpatschigen Gauner-Bande aus der Zeichentrick-Serie „Lucky Luke“ haben sie kaum etwas gemein. Ermittler sprechen vielmehr von einer Gen-Z-Mafia: jung, brutal, hemmungslos.
Die Mitglieder der türkisch-kurdischen Gruppen posieren auf TikTok und Instagram mit Waffen und Munition, feiern Gangsterbosse wie Popstars – und tragen ihren blutigen Krieg inzwischen mitten auf den Straßen der deutschen Hauptstadt aus.
Seit 2024 registrieren die Berliner Behörden eine massive Welle von Schutzgelderpressungen, die sich meist gegen türkischstämmige Unternehmer richtet. Die Vorgehensweise ist fast immer dieselbe: Erst kommen Anrufe, dann Forderungen nach sogenannten „Strafzöllen“ von bis zu 500.000 Euro pro Jahr. Wer nicht zahlt, bekommt Besuch – oder Kugeln.
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Angesichts der Häufung von Schießereien haben Polizei und Justiz Sondereinheiten mit den Titeln „Ferrum“ (lat. Eisen) und „Telum“ (lat. Waffe) gegründet. Vertrauliche Ermittlungsakten offenbaren nun den dramatischen Kampf gegen die Unterwelt.
Ein Erfolg: Den deutschen Behörden gelang es, Top-Informanten innerhalb der türkischen Mafia zu gewinnen. Die Zeugen werden an geheimen Orten versteckt und geschützt. Sie haben den Ermittlern interne Strukturen aufgezeigt, Hinweise auf Straftaten geliefert, Festnahmen ermöglicht – aber auch Angst gemacht.
Nach Recherchen sollen die Zeugen in Vernehmungen ausgesagt haben, dass die türkische Mafia Todeslisten führt und Kopfgelder auf deutsche Staatsanwälte und Richter ausgesetzt hat. Methoden, die an die italienische Mafia erinnern. So ermordete die sizilianische Cosa Nostra in den 1990er Jahren zahlreiche Justizvertreter, um Ermittlungen zu verhindern und den Staat einzuschüchtern.

Offiziell bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft zwar, „keine konkreten Erkenntnisse“ über Kopfgeld-Listen zu haben. Dem Vernehmen nach wurden aber entsprechende Sicherheitsmaßnahmen bereits verstärkt. „Solche Bedrohungslagen für Bedienstete der Justiz sind nach hiesiger Einschätzung ein Ausnahmefall“, sagt ein Sprecher.
Nach Recherchen soll auch eine Staatsanwältin aus Brandenburg betroffen sein. Auf Anfrage äußerte sich die zuständige Justiz dazu nicht.
Mit den Daltons und ihren Ablegern ist eine neue Dimension organisierter Kriminalität in Deutschland angekommen. Ihr Ursprung liegt in Istanbul, wo sich seit 2021 eigenständige Killer-Kommandos aus der türkischen Mafia abgespalten haben. Zunächst die „Daltons“, später die „Ezgins“, die „Caspers“ und die „Sirinler“ (Schlümpfe).
Sie arbeiten teilweise zusammen, bekämpfen sich aber gleichzeitig. Ein Berliner Ermittler: „Das ist kein klassischer Clan mit klarer Hierarchie. Das sind flexible Gewalt-Netzwerke.“

Die führenden Köpfe ziehen aus dem Ausland die Fäden: darunter Beratcan Gökdemir, alias „Can Dalton“. Er hat mehr als 300.000 Follower auf Instagram, wurde laut Ermittlungsakten 2024 in Russland festgenommen, aber nicht an die Türkei ausgeliefert. Am Bosporus erwartet ihn wegen zahlreicher Auftragsmorde eine addierte Haftstrafe von mehr als 1200 Jahren.
Wie professionell die einzelnen Gruppen inzwischen organisiert sind, zeigt ein aktueller Durchsuchungsbeschluss der Berliner Polizei, der The Pik vorliegt. Darin wird detailliert beschrieben, wie eine Mafia-Zelle aufgebaut sein soll – am Beispiel der „Caspers“.
An deren Spitze steht demnach Koray T.. Pikant: Der verurteilte Mörder kehrte 2022 nicht von einem Freigang (Einschulung seiner Tochter) ins Berliner Gefängnis zurück, kontrolliert seither aus Dubai das Caspers-Netzwerk. Dazu zählen „Aufseher“, die vor Ort das Geschehen kontrollieren. „Shooter“, die für Schüsse auf Geschäfte oder Häuser angeworben werden. „Top-Shooter“, professionelle Killer, die für Mordanschläge aus dem Ausland bestellt und bezahlt werden. Fahrer und Logistiker, die Fluchtwagen anmieten, Waffen transportieren und Unterkünfte organisieren.

Die Gruppen rekrutieren dabei gezielt junge Männer – teilweise Jugendliche ab 15 Jahren. Angelockt werden sie mit Drogen und der Aussicht auf Geld, Abenteuer und Macht. So wie Alican C. – er war ein Shooter der türkischen Mafia.
Als 17-Jähriger kam der Türke 2022 über die Balkanroute nach Deutschland, lebte zunächst perspektivlos in Flüchtlingsheimen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort geriet er laut Justizakten an Männer aus dem Dalton-Umfeld. Sie versorgten ihn mit Essen, Unterkunft und Drogen, erschlichen sich so sein Vertrauen.
Dann kam der Auftrag: Für einen Angriff auf zwei Berliner Supermärkte wurden ihm 1000 Euro versprochen. Hintergrund war eine Schutzgelderpressung, die Eigentümer wollten nicht zahlen. Am 5. März 2025 feuerte Alican unter Drogeneinfluss mehr als ein halbes Dutzend Kugeln durch die Scheiben ihrer Geschäfte. Niemand wurde verletzt. Festnahme. Das Urteil: 2 Jahre und 9 Monate.
Mafia-Helfer würden laut Ermittlern schnell ersetzt, wenn sie festgenommen werden. Das System sei bewusst flexibel aufgebaut. Junge Flüchtlinge als Wegwerfschützen.

Ein kurzer Ausriss aus der Chronik der Gewalt: Im März 2024 wird ein Türke mit belgischem Pass mitten im Berliner Touristenviertel erschossen. Im März 2025 schießt ein 21-jähriger Daltons-Helfer einem Geschäftsmann aus fünf Metern Entfernung sieben Mal in die Beine. Im Herbst 2025 wird ein Vertrauter einer Berliner-Clan-Größe in Hannover erschossen. Schutzgeld-Terror – Ende 2025 kommt es zu mehreren Pistolen-Anschlägen auf eine große Berliner Fahrschule.
Für die Berliner Polizei ist vor allem die enorme Verfügbarkeit von Waffen alarmierend. Immer wieder finden Ermittler halb- und vollautomatische Waffen aus illegalen Fabriken in der Türkei. In abgehörten Telefonaten sprechen Mitglieder verschlüsselt über Munition. Kugeln heißen dort „geröstete Kichererbsen“, Waffen schlicht „Spielzeuge“. Die Berliner Polizei registriert inzwischen einen massiven Anstieg der Waffengewalt. Straftaten mit Schusswaffen nahmen 2025 um 68 Prozent zu.

Brisant: Nicht nur die Polizei weiß mittlerweile viel über die Daltons. Laut den umfangreichen Aussagen eines Informanten soll die türkische Mafia ebenfalls über einen Spitzel bei der Berliner Polizei verfügen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde aber bislang kein Ermittlungsverfahren gegen einen Beamten eingeleitet. Eine Spur: Wie The Pik erfuhr, soll ein leitender Beamter der Berliner Polizei mit einem beschuldigten Mafia-Mitglied verwandt sein.
Die Stimmung ist angespannt. Auch weil Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel (60) unzufrieden mit dem Tempo der Mafia-Jagd ist. Vor einigen Wochen traf sie sich mit mehreren ihrer LKA-Abteilungsleiter. Thema: u.a. die türkische Mafia.

Nach Informationen wollte Slowik wissen, wie die Fortschritte seien, ob ihre Aufträge erfüllt wurden. Die Antwort ihrer Beamten: betretenes Schweigen. Daraufhin soll Slowik erklärt haben: Dann mache sie das jetzt selbst – und ließ Termine mit BKA, Europol, der türkischen Botschaft und Vertretern der türkischen Community organisieren.


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