Berlin – Ihr beeindruckender Aufstieg war kein Selbstläufer. Zwei Brüder aus Indien hatten den Traum, sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Vor drei Jahrzehnten eröffneten Balbir, genannt „Bitu“ (59), und Harmeet „Bunty“ Bans (56) in Berlin ihr erstes Restaurant, finanziert durch mühsam Erspartes. Heute sind sie Millionäre. Ihr Erfolgsgeheimnis verraten sie offen: Mit Disziplin vom Tellerwäscher zum Multimillionär.

1989 kam Bitu Bans aus Indien nach Berlin. Sein Gepäck: zwei Hände und grenzenloser Optimismus. „Es gab Tage, da wusste ich nicht, wovon ich essen sollte. Ich kaufte bei Aldi ein Brot und eine Flasche Mayonnaise. Davon habe ich drei Tage gelebt“, erzählt er . Sein Bruder Bunty folgte ihm. Beide arbeiteten sich in Cafés und indischen Lokalen hoch, bis sie genug für ihr erstes eigenes Restaurant in der Oranienstraße hatten.

Heute sind die Brüder wohlhabend. Bei ihnen gilt das Klischee vom Aufstieg durch harte Arbeit. Ihr Erfolgsrezept ist simpel: Sparen. Diese Philosophie prägt auch ihre Gastronomie: Gutes indisches Essen zu erschwinglichen Preisen. Der Mittagstisch kostet bis heute unter 10 Euro.

15. August 1996: Bitu Bans bei der Eröffnung des ersten Ladens in der Oranienstraße
Quelle: Privat

Sieben Jahre sparten sie für das erste eigene Restaurant

„Anfangs schuftete ich im Doppelschicht-System und verdiente 1600 D-Mark pro Monat. Jede Mark, die ich entbehren konnte, legte ich beiseite“, berichtet Bitu Bans. „Meine erste Wohnung war ein Einzimmer-Appartement mit Kohleofen. Vierte Etage, kein Aufzug. Dafür war die Miete günstig.“


1996 war es so weit: Die Brüder hatten genug Geld für ihr erstes Restaurant zusammen. Sie tauften es „Amrit“ und eröffneten es am 15. August – dem indischen Unabhängigkeitstag. Der Name ist Programm: Ihre Eltern waren als Sikhs aus dem muslimischen Pakistan nach Amritsar geflohen, der heiligen Stadt der Sikhs, die etwa zwei Prozent der indischen Bevölkerung ausmachen. „Amrit bedeutet ‚der heilige Nektar des Paradieses‘“, erklärt Bunty.

Vier große Amrit-Restaurants in Berlin

Der Name war ein gutes Omen. Der Erfolg der Brüder war überwältigend. Was ist ihr Rezept? Bitu Bans: „Fleißig sein, sparen, alles in den Betrieb stecken. Als Familie zusammenhalten. Und wir sind immer für unsere Gäste präsent. Einer von uns ist stets in einem der Lokale, wir kennen unsere Stammkunden persönlich.“

Das Amrit-Restaurant in Schöneberg eröffneten die Brüder 2004
Quelle: Privat

Schon früh, so die Brüder, hätten sie als Sikhs das Dienen gelernt. Bunty: „Unser Vater nahm uns oft mit in den Tempel. Dort halfen wir in der Küche, servierten und spülten.“

Die preiswerten Menüs ihres ersten Restaurants kamen so gut an, dass 1999 die zweite Filiale folgte. Inzwischen betreiben sie vier Standorte in den trendigen Berliner Bezirken Kreuzberg, Mitte und Schöneberg. Zusätzlich beliefern sie mit ihrem Catering-Service ganz Deutschland.

2013 eröffnet: Auch am Potsdamer Platz im Berliner Regierungsviertel befindet sich ein Amrit-Restaurant
Quelle: Privat

Wie schafft man es in Deutschland?

Was raten die Brüder Neuzugewanderten? Bitu Bans: „Integration ist das A und O. Ich hatte immer großen Respekt vor diesem Land. Und es war mein Traum, hier etwas aufzubauen.“ Er sagt, sein Herz schlage weiterhin zu 100 Prozent indisch: „Aber mein Kopf ist ein bisschen deutscher geworden.“ Bitus Sohn Vijay (32) und Buntys Zwillinge Sunny und Raj (24) sollen die Geschäfte übernehmen, wenn die Väter in den Ruhestand gehen. „Andere träumten davon, Fußballprofis zu werden. Wir wussten schon früh, dass wir hier hineinwachsen. Und das ist gut so“, sagt Raj.

Die Familie Bans stellt ihren Reichtum bewusst nicht zur Schau. „Man bleibt auf dem Teppich und fliegt nicht damit herum“, sagt Bitu Bans. „Wer von ganz unten kommt, entwickelt eine andere Wertschätzung.“

Die nächste Generation: Vijay, Raj und Sunny (v.l.)sind voll im Geschäft integriert und sollen es weiterführen
Quelle: Aus dem Internet