Schwerin – In Mecklenburg-Vorpommern gestalten sich die TV-Auseinandersetzungen vor der Landtagswahl am 20. September nun doch als klassische Zwei-Kämpfe: Regierungschefin Manuela Schwesig (52, SPD) wird sich ausschließlich ihrem Kontrahenten Leif-Erik Holm (56) von der AfD stellen. Bei CDU und Linken sorgt das für Empörung, da ihre Spitzenkandidaten – trotz ursprünglich erteilter Zusage – wieder von der Gästeliste gestrichen wurden!

Veranstaltet wird diese Begegnung von RTL/ntv in Zusammenarbeit mit dem regionalen Sender „Ostseewelle“ – eine Abkehr von den ursprünglichen Plänen, die auch „Ostseewelle“-Chef Tino Sperke nicht unterstützte. Er hätte eine Diskussionsrunde mit vier Teilnehmern bevorzugt und äußerte laut „Spiegel“ in einer internen Nachricht sein Bedauern: „RTL/ntv hat sich dann aber für das Duell-Format entschieden, nachdem Frau Schwesig das bei ihrem Besuch im Hauptstadtbüro impliziert hatte.“

„Chatnachrichten sind recht selten unwahr“

RTL/ntv weist jegliche Einflussnahme von sich und verweist darauf, dass ein Aufeinandertreffen der beiden „großen“ Parteien mehr Spannung verspricht als eine Runde mit den kleineren Akteuren. Laut aktueller Erhebung (INSA für „Nordkurier“, 13. August) liegen AfD und SPD bei 36 bzw. 29 Prozent, während Linke und CDU lediglich auf 11 bzw. 10 Prozent kommen. Unbestritten ist jedoch: Das gewählte Format kommt Schwesig entgegen. Sie erhält mehr Sendezeit und kann sich als einzige Alternative zur AfD positionieren, ohne sich kritischen Nachfragen von CDU oder Linken stellen zu müssen.

Für Katy Hoffmeister (53), CDU-Generalsekretärin in Mecklenburg-Vorpommern, ist Sperkes Nachricht dennoch ein klarer Beleg für eine Intervention. Ihre Wortwahl: „Chatnachrichten sind recht selten unwahr, nachträgliche Dementis mitunter schon.“ Schwesigs Sprecherin Lilly Blaudszun (25) hatte eine Einmischung der Ministerpräsidentin bereits dementiert und klargestellt, die Sender träfen ihre Format-Entscheidungen eigenständig. Schwesig habe lediglich „sowohl beim NDR als auch bei n-tv/Ostseewelle für ein Kandidatenduell zugesagt“ – weitergehende Forderungen habe es nicht gegeben.

NDR setzt auf Duell, MDR auf große Runde

Bemerkenswert ist die Parallele beim öffentlich-rechtlichen NDR: Auch dort wird Schwesig allein gegen Holm antreten, obwohl zunächst ebenfalls Einladungen an CDU und Linke verschickt worden waren. Deren Spitzenkandidaten werden nun erst im Anschluss an das Duell der beiden Großen in einer zweiten Runde zusammen mit Grünen und BSW vor die Kameras treten. In CDU-Kreisen wird hinter vorgehaltener Hand spekuliert, Schwesig habe mit ihrer Absage gedroht, falls nicht nur ein Duell mit der AfD zustande käme.

Damit wählt der NDR einen gänzlich anderen Ansatz als der MDR im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt (Wahl am 6. September): Dort wurde eine große „Wahlarena“ mit sämtlichen Spitzenkandidaten (AfD, CDU, SPD, FDP, Linke und BSW) veranstaltet.