Frankfurt (Hessen) – Er schnitt dem neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau die Kehle durch, verletzte auch sie schwer und alarmierte anschließend selbst die Polizei. Dabei sagte er gelassen: „Hallo, ich bin M., ich habe einen Mann getötet“, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift.
Vor Gericht wirkt Emral M. (37) gelassen, fast teilnahmslos. Auf seinem T-Shirt steht „freedom“, doch der Bulgare wird wohl noch lange in Haft bleiben müssen. Der 37-jährige Paketzusteller muss sich wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Landgericht Frankfurt (Hessen) verantworten.

„Keine Liebesheirat“
Die Ehe von Emral und seiner Frau Melyat M. (31) war von Gewalt geprägt. Die Hochzeit am 10. Mai 2024 in Bulgarien sei „keine Liebesheirat“ gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Sinan Akdogan vor Gericht. Auch die beiden gemeinsamen Kinder erlebten laut Anklage mehrfach Gewalt gegen die Mutter. „Sie schaffte es nicht, sich zu trennen.“ Zudem drängten die Familien beider Seiten auf ein Zusammenbleiben, so Akdogan.
Emral habe „beinahe täglich Geschlechtsverkehr“ von seiner Frau verlangt, ihr verboten, sich zu schminken oder freizügig zu kleiden, so der Oberstaatsanwalt. Der Paketzusteller soll jede ihrer Bewegungen per Tracking-App überwacht haben. Er bezeichnete sie als „Hure“ und „Schlampe“ und versetzte sie immer wieder in Angst. Sie rief wiederholt die Polizei. Vier Monate lang – bis zum 23. Juni 2025 – trug er eine elektronische Fußfessel und durfte sich ihr nicht nähern, nachdem Melyat ihn wegen Vergewaltigung und häuslicher Gewalt angezeigt hatte.

„Er hatte den Plan, beide zu töten“
Neun Tage später erscheint er mit einem Rucksack an der früheren gemeinsamen Wohnung in Frankfurt-Bonames. Darin befindet sich ein Küchenmesser mit einer 12,5 cm langen Klinge. Zu diesem Zeitpunkt führte Melyat seit fünf Monaten eine heimliche Beziehung mit ihrem Jugendfreund Tasin S. (46). Aus Angst hatte sie die Beziehung vor Emral stets verheimlicht. Emral „gab nach außen vor, die Trennung zu akzeptieren“, so die Anklage, doch das war offenbar nicht der Fall. Am 2. Juli lauert er vor der Wohnungstür und hört, wie seine Ex mit Tasin Sex hat.
„Er hatte den Plan, beide zu töten“, so die Anklage. Er wartet, bis seine Ex das Haus verlassen will, um den gemeinsamen Sohn vom Kindergarten abzuholen. Plötzlich soll er auf Melyat eingestochen haben. Sie kann noch zu Nachbarn gegenüber flüchten, doch Tasin S. ist in der Wohnung praktisch gefangen und kann nicht entkommen.
Insgesamt 77 Mal sticht Emral auf seinen Nebenbuhler ein und durchtrennt ihm die Kehle, so die Anklage. Mit blutverschmierten Händen greift er anschließend zu Tasins Handy und wählt den Notruf.
Am nächsten Verhandlungstag will sich der Bulgare zu den Vorwürfen äußern.
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