Fabian (8) wurde am 10. Oktober 2025 zuletzt in der Wohnung seiner Mutter gesehen, danach verlor sich seine Spur. Vier Tage später entdeckte man seinen Leichnam an einem Gewässer in der Nähe von Klein Upahl. Seit April muss sich die Partnerin seines Vaters vor Gericht verantworten: Gina H. (30). Ihr wird vorgeworfen, den Jungen aus der Wohnung gelockt, mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend verbrannt zu haben. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass Gina H. auf diese Weise einen „Streitpunkt in ihrer Beziehung“ zu Fabians Vater beseitigen wollte.

Matthias R. (35), Fabians Vater
Er hätte vermutlich am ehesten Auskunft über ein mögliches Tatmotiv der Angeklagten und deren Beziehung zu Fabian geben können. Doch Fabians Vater zweifelt nicht an der Unschuld von Gina H. – und führt inzwischen wieder eine Beziehung mit ihr. Bezüglich Details zu Eifersucht, Konflikten und Kontrollverhalten setzte plötzlich seine Erinnerung aus. Zahlreiche Sprachnachrichten gaben hierüber jedoch Aufschluss. Mittlerweile wird gegen Matthias R. wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt.

Dorina L. (32), Fabians Mutter
Ihre Schilderungen sind vor allem für die Rekonstruktion des zeitlichen Geschehens rund um Fabians Verschwinden relevant. Am 9. Oktober – einen Tag vor dem Verschwinden – litt Fabian unter Nasenbluten. Aus diesem Grund holte Dorina L. ihren Sohn bereits um 12.30 Uhr von der Schule ab. Später verließ Fabian die Wohnung erneut: Er habe einen Freund treffen oder den Jugendklub besuchen wollen.

Gegen 18.05 Uhr kehrte er nach Hause zurück. „Wenn er seinen Vater getroffen hätte, oder Frau H., oder Oma und Opa, hätte er das erzählt?“, fragt der Richter. „Ja, das hätte er auf jeden Fall gemacht.“ Am darauffolgenden Morgen weckte sie ihn um 6.10 Uhr für die Schule. Doch Fabian entgegnete: „Oh Mama, ich mag nicht.“ Er habe sich weiterhin unwohl gefühlt. Als Dorina L. ihm erklärte, dass sie zur Arbeit müsse, erwiderte er: „Ja, aber das ist doch kein Problem, ich bin ja schon groß.“ Sie wies ihn an, bis zu ihrer Rückkehr zu Hause zu bleiben.
Als Dorina L. um 15.25 Uhr von der Arbeit zurückkehrte, war ihr Sohn verschwunden. Ebenso fehlte ein Ersatzschlüssel. Portemonnaie und Handy des Jungen befanden sich hingegen noch in der Wohnung. Fabian sei stets zuverlässig gewesen. Falls er einmal nicht pünktlich zurückkam, habe er aus dem Jugendklub anrufen lassen. Mit Unbekannten wäre er nicht gegangen. Auch die Haustür hätte er nicht eigenmächtig öffnen dürfen: „Die Absprache war: Er darf das Telefon der Freisprechanlage abnehmen, aber nicht die Tür aufmachen.“ Wenn er zu Hause war, habe sein Fahrrad stets vor dem Haus gestanden.
Fabians bester Freund (9)
Der Neunjährige zählt zu den letzten Personen, die Fabian lebend gesehen haben. Einen Tag vor dessen Verschwinden kam er von der Schule nach Hause – in Begleitung von Fabian. Wo sie sich getroffen hatten, konnte der Junge nicht mehr sagen. Eigentlich hatten sie gemeinsames Spielen geplant, doch das Treffen währte nur kurz, da der Freund zum Basketballtraining musste. Danach sei Fabian mit dem Rad vermutlich weiter zum Jugendklub gefahren.
Die AWO-Mitarbeiterin (63)
Sie kennt Gina H. seit deren Kindheit. Für den 9. Oktober war um 14 Uhr ein Termin in der Erziehungsberatung vereinbart. Gina H. blieb jedoch fern. Nach etwa einer Viertelstunde Wartezeit kontaktierte sie Gina H. telefonisch. Diese gab an, ihr eigener Sohn sei krank. Prozessunterlagen zufolge besuchte der Junge an diesem Tag jedoch die Schule.
Anwohner Franz H. (60)
Am 9. Oktober 2025 suchte er gegen 14.30 Uhr vor seinem Haus in der Ulmenstraße einen Parkplatz. Dabei ärgerte er sich: Ein auffälliger orangefarbener Ford Ranger blockierte gleich zwei Stellflächen. Ein solches Fahrzeug fährt Gina H. Seine Beobachtung könnte belegen, dass der Wagen bereits einen Tag vor Fabians Verschwinden in Güstrow unterwegs war.
Der Bauer (18)
Der Landwirt sammelte am 10. Oktober, dem Tattag, mit Kollegen auf einem Feld nahe Klein Upahl Steine. Kurz nach dem Mittagessen (ca. 12.20 Uhr) passierte ein orangefarbener Pick-up die Stelle. „Da saß doch die Gina drin“, bemerkte er gegenüber einem Kollegen. Seine Aussage verdeutlicht, wann das Fahrzeug am Tattag unterwegs war.
Die Spaziergängerin (38)
Eigentlich wollte sie ihrem Lebensgefährten lediglich ein Foto übermitteln. Dabei dokumentierte sie unbewusst einen entscheidenden Augenblick. Bei einem Ausritt mit ihrem Pferd bemerkte eine Anwohnerin aus Klein Upahl am 10. Oktober um 14.59 Uhr ein Feuer an dem späteren Fundort und hielt es im Bild fest. Als sie wenig später aus dem Wald zurückkehrte, war das Feuer bereits erloschen.
Christian D. (37), der Bekannte von Gina H.
Er gilt als zentrale Figur unter den Zeugen. Christian D. und Gina H. pflegten intensiven Kontakt – angeblich rein „freundschaftlich“. Sie trafen sich sowohl am Tag vor Fabians Verschwinden als auch am Tattag und in den darauffolgenden Tagen. Beim Treffen am 9. Oktober am Krebssee habe Gina H. über ihre Beziehungsprobleme mit Matthias R. gesprochen. Kurz darauf schrieb sie an Christian D.: „Ich muss jetzt Entscheidungen treffen, eigentlich ist sie schon getroffen.“
Am Tag von Fabians Verschwinden schickte Gina H. ihm ein Foto ihres Hundes in einem Wald bei Lähnwitz. Gegen 12.45 Uhr trafen sich beide erneut, diesmal am Bolzsee. Auf die Frage nach seinem Eindruck von Gina H. antwortete Christian D.: „Ziemlich down, bisschen niedergeschlagen und nervös.“ Gegen 13.30 Uhr sei das Treffen beendet gewesen. Später übermittelte Gina H. ihm mehrere Aufnahmen, die sie bei der Reinigung ihres Autos zeigen. Am Abend informierte sie ihn über Fabians Verschwinden. Am 13. Oktober habe Gina H. vorgeschlagen, in der Gegend von Klein Upahl nach dem Jungen zu suchen – dort sei sie bereits mit den Kindern Schlitten gefahren. „Ich habe das nicht hinterfragt. Im Nachhinein war ich schön blöd“, räumt Christian D. ein. Gegen 21.30 Uhr habe er sie abgeholt.
Mit einer Wärmebildkamera seien sie nach Klein Upahl gefahren. Auf ihr Betreiben hin hätten sie das Feld in Richtung des Tümpels überquert. „Im Nachhinein bin ich der Meinung, sie wusste genau, wo sie hinwollte“, so Christian D. Plötzlich habe sie gerufen: „Hier ist was!“ Die Polizei verständigten beide nicht. „Ich glaube, ich habe gesagt: ‚Was wollen wir denen denn erzählen?‘ Ich glaube, dann hat sie gar nichts mehr gesagt. Im Auto war Totenstille.“

Olaf K. (58), der Nachbar von Gina H.
Olaf K. galt als bester Freund von Gina H., hegte jedoch offenbar Hoffnungen auf mehr. Er ist der zweite Zeuge, der angibt, bereits vor dem offiziellen Auffinden der Leiche mit Gina H. an dem Tümpel gewesen zu sein. Nachdem Gina H. ihm von der nächtlichen Suche mit Christian D. berichtet habe, sei er mit ihr und einer Taschenlampe erneut nach Klein Upahl gefahren. „Und dann hab ich den Jungen da halt liegen sehen“, sagt Olaf K. Sie habe ihn angewiesen, gezielt auf das Gesicht zu leuchten. Daraufhin habe Gina H. geäußert: „Das ist Fabian.“ Auch er alarmierte die Polizei nicht. Weshalb, bleibt bis heute unklar.
Am 21. Oktober drehten sich Telefonate zwischen beiden um ein Alibi für den Mord an Fabian. Gina H. habe wiederholt betont, dass sie den ganzen Tag gemeinsam verbracht hätten. Zudem sei laut Olaf K. ein Campingmesser aus seinem Schuppen verschwunden, was er erst am 22. Oktober bemerkte. Nach einer gemeinsamen Suche mit Gina H. sei das Messer plötzlich in einem Karton wieder aufgetaucht – obwohl er dort zuvor bereits nachgesehen hatte und das Messer dort ohnehin nie lag. DNA- oder Blutspuren fanden sich an dem Messer jedoch nicht.
Heike M. (47), Gina H.s Freundin
Heike M. wohnte in Krakow am See in der Nachbarwohnung von Gina H. und Matthias R. Durch die gemeinsame Leidenschaft für Pferde entstand eine Freundschaft. Am 14. Oktober habe Gina H. sie angerufen und gesagt: „Wir haben ihn gefunden, er ist tot.“ Gina H. habe ihr erzählt, dass sie bereits mit Christian D. und Olaf K. an dem Tümpel gewesen sei. Dennoch sei sie mit Heike M. erneut dorthin gefahren – sie habe nach einem Ausweg gesucht, „wie sie da rauskommt“. Die Zeugin beschrieb Gina H. dabei als auffallend ruhig, gefühllos, kalt und zielgerichtet. Zudem habe die Angeklagte sie gebeten, der Polizei nichts von den nächtlichen Fahrten zum Tümpel zu berichten. „Ich werde nicht lügen“, habe sie darauf erwidert.


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