Berlin – In der Hauptstadt knallt es immer wieder, illegale Waffen sind allgegenwärtig. Für rund 2000 Euro bekommt man hier eine Pistole samt Munition. Verfeindete Clans liefern sich Schusswechsel, Dealer bekämpfen die Konkurrenz, selbst Familienkonflikte werden mit Waffengewalt ausgetragen. Erst kürzlich wurden 60 Menschen auf einem Spielplatz unter Beschuss genommen.
In einer vertraulichen Analyse der Polizei schlagen die Ermittler nun Alarm: Die Gefahr für Unbeteiligte steigt zunehmend! Ein Beamter des Landeskriminalamts (LKA) zeigt sich besorgt. Es sei „reinem Zufall“ oder den „mangelnden Schießfähigkeiten“ der Täter zu verdanken, dass trotz der „vielen Schüsse im öffentlichen Raum“ bislang keine Unbeteiligten verletzt wurden.
Clan-Krieg im Graefekiez eskaliert
Auslöser der aktuellen Warnung ist die blutige Auseinandersetzung zwischen den bekannten Großfamilien Remmo und Wehbe im Graefekiez in Berlin-Kreuzberg. Der Konflikt wurzelt in einem Mord aus dem Jahr 2022. Seit März fallen in diesem Streit regelmäßig Schüsse. Die Anwohner des Viertels leben in ständiger Furcht. Bereits im Juni verlangten sie bei einer Bürgerversammlung: Mehr Polizeipräsenz für unseren Kiez!

Doch selbst die Polizei kann nicht überall gleichzeitig sein. Wie groß die Gefahr für Unbeteiligte tatsächlich ist, belegen mehrere Vorfälle mit illegalen Schusswaffen in der Stadt.
Maskierter verliert Magazin während des Einsatzes
Am 9. August feuerte ein maskierter Mann gegen 5.30 Uhr in der Stendaler Straße in Hellersdorf sechs Schüsse auf einen Friseursalon und einen Nachtclub. Zeugen berichteten, der Täter habe seine „Waffe nicht im Griff“ gehabt. Mitten in der Tat verlor er sogar sein Magazin. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.
Nur 18 Stunden später starb Kamal C. (30) in Charlottenburg durch Schüsse – direkt vor dem Bahnhof Zoo, den täglich bis zu 100.000 Reisende passieren. Der mutmaßliche Schütze ist den Behörden bekannt, befindet sich jedoch auf der Flucht.
Schüsse auf Spielplatz mit 60 Personen
Am 25. Mai, gegen 21.30 Uhr, eröffnete ein Mann in der Urbanstraße in Kreuzberg das Feuer auf eine Gruppe von mindestens 60 Menschen auf einem Spielplatz – er schoss quer über die belebte Hauptstraße und traf niemanden. Anschließend floh der Täter mit einem Motorroller. Seine Verfolger schossen aus einem Fahrzeug auf ihn. Auch hier blieb es bei Sachschaden.
Am 15. Oktober 2025, kurz nach 16 Uhr, feuerte ein Unbekannter an der Kreuzung Adalbertstraße/Ecke Naunynstraße gezielt auf eine Personengruppe auf dem Gehweg. Ein voll besetzter Bus der Linie 140 geriet zufällig in die Schusslinie. Mehrere Projektile schlugen als Querschläger im Fahrzeug ein – erneut blieben die Passagiere unverletzt, was nur dem Zufall zu verdanken war.
Unerfahrene Auftragsschützen als wachsendes Risiko
Ein Ermittler des LKA erklärt: „Besonders problematisch sind die unerfahrenen ‚Shooter‘.“ Als Shooter bezeichnet man Personen, die gegen Bezahlung Anschläge auf Menschen oder Objekte ausführen. Häufig handelt es sich um junge Männer ohne jegliche Waffenerfahrung. Sie reisen meist mit dem Flugzeug nach Berlin an, die Bandenchefs konfiszieren ihre Pässe. Für ein paar Hundert Euro drücken sie ab und tauchen unter, bevor die Polizei ihre Identität feststellen kann.

Gegen die Flut illegaler Waffen gehen die Sonderkommandos „Ferrum“ (lateinisch: Eisen) der Polizei und „Telum“ (lateinisch: Angriffswaffe) der Staatsanwaltschaft vor. Allein in der Hauptstadt wurden 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet und 68 Haftbefehle erlassen. Mehr als 50 Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.
Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt, zuständig für Organisierte Kriminalität (OK), betont: „Unser Ziel ist es, möglichst viele Täter aus dem Verkehr zu ziehen und tief in die kriminellen Netzwerke einzudringen.“

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