Rom – An vier bedeutenden italienischen Flughäfen – Mailand-Linate, Bologna, Treviso und Venedig – zeichnet sich eine Verknappung von Flugzeugtreibstoff ab. Eine offizielle NOTAM-Warnung (Notice to Airmen/Notice to Air Missions) hat die Luftfahrtbranche alarmiert und verdeutlicht potenzielle globale Auswirkungen. Der Anbieter Air BP Italia, Teil des BP-Konzerns, warnt darin vor einer „reduzierten Verfügbarkeit von Jet-A1-Kerosin“. Die Beschränkungen sollen mindestens bis zum 9. April, teilweise bis in die Nacht zum 10. April, andauern – je nach Standort.

Pierluigi Di Palma (69), Präsident der Luftfahrtbehörde Enac, bestätigte gegenüber „RaiNews24“: Airlines werden aufgefordert, mit nahezu vollen Tanks anzukommen, da die Treibstoffvorräte an den Flughäfen nicht ausreichen.

Pierluigi Di Palma (69), Präsident der italienischen Zivilluftbehörde Enac, bestätigte den Kerosinmangel
Pierluigi Di Palma (69), Präsident der italienischen Zivilluftfahrtbehörde Enac, bestätigte den Kerosinmangel

Obergrenze von 2000 Litern – eine knappe Reserve

Laut der NOTAM-Meldung genießen Rettungsflüge, Staatsflüge und Langstreckenverbindungen Vorrang. Für andere Flugzeuge gilt eine Obergrenze von maximal 2000 Litern Kerosin pro Maschine. Diese Menge erscheint auf den ersten Blick groß, ist jedoch begrenzt.

Der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ zufolge reicht diese Menge bei Standardflugzeugen wie dem Airbus A320 oder der Boeing 737 für weniger als eine Stunde Flugzeit. Praktisch bedeutet dies: Ohne zusätzliches Betanken könnten viele Direktverbindungen, beispielsweise von Venedig nach Sizilien, nicht mehr durchgeführt werden.

Bisher kein Chaos, aber erste Alarmsignale

Offiziell wird die Lage heruntergespielt. Der Flughafenbetreiber Save (zuständig für die Airports Venedig und Treviso) teilt mit, die Treibstoffbeschränkungen seien „nicht erheblich“. Interkontinentalflüge und Verbindungen innerhalb des Schengen-Raums seien nicht betroffen. Der Hintergrund: Mehrere Unternehmen bieten Betankungsdienste an – aktuell ist Air BP das einzige, das Einschränkungen gemeldet hat.

Globale Airlines geraten unter Druck

Die steigenden Kerosinpreise belasten die Branche bereits jetzt, insbesondere in Asien. Mehrere chinesische Fluggesellschaften haben ihre Treibstoffzuschläge erhöht, ebenso Airlines in Taiwan.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (59) betonte in der „Frankfurter Allgemeinen“, dass über 80 Prozent des Treibstoffbedarfs finanziell abgesichert seien. Dennoch warnt auch er: Sollte der Konflikt andauern, könne die Situation „kritisch werden“. Engpässe würden dann vermutlich zuerst außerhalb Europas auftreten.

Auch Ryanair schlägt Alarm. Konzernchef Michael O’Leary (65) sagte „Sky News“, dass im Mai und Juni bis zu 25 Prozent der Treibstofflieferungen gefährdet sein könnten. Im schlimmsten Fall müssten Flüge gestrichen oder reduziert werden.

Konsequenzen für Urlaubsreisende

Für Passagiere könnte die Situation spürbare Auswirkungen haben. Zwar verläuft der Flugbetrieb derzeit stabil, doch bereits geringe Engpässe können den Flugplan erheblich beeinträchtigen. Verbindungen könnten kurzfristig verschoben oder gestrichen werden, insbesondere auf kürzeren Strecken mit niedrigerer Priorität.

Zudem ist mit weiter steigenden Ticketpreisen zu rechnen. Kommt es zu Ausfällen aufgrund von Treibstoffmangel, haben Passagiere in der Regel keinen Anspruch auf Entschädigung, da dies als außergewöhnlicher Umstand eingestuft wird.