Berlin – Der Streit zwischen Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) und der Kinderärztin und Aktivistin Bea Merscher (39) hat sich offenbar auch nach der TV-Sendung fortgesetzt. Bereits in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ waren die beiden aneinandergeraten, doch nun soll es hinter den Kulissen zu einer weiteren Konfrontation gekommen sein.

Nach den Dreharbeiten versammelten sich die Gäste zu einem gemeinsamen Fototermin mit dem Kanzler. Dieser zeigte sich nach dem vorangegangenen Disput offenbar weiterhin verärgert. Wie Merscher berichtet, habe ihr Merz vorgeworfen, ihre Äußerungen in der Sendung seien „straffällig“ gewesen. Sie habe dem Kanzler daraufhin ein weiteres Gespräch vorgeschlagen. Die Antwort des Kanzlers? Merscher zufolge habe er sie ausgelacht.

Nach der Sendung ergab sich für Bea Merscher die Gelegenheit zu einem weiteren Gespräch mit dem Kanzler – dieser habe jedoch abweisend reagiert
Quelle: dr.bea.kinderaerztin/Instagram

Als Merscher einen erneuten Termin vorschlug – sie werde ohnehin bald in Berlin sein, da ihre eigene Demonstration in unmittelbarer Nähe des Kanzlers stattfinde –, habe Merz lediglich geantwortet: „Ganz sicher nicht!“ Der ebenfalls an der Diskussion beteiligte Gast Oliver Bernt, der den Kanzler in der Sendung ebenfalls scharf kritisiert hatte, bestätigt die Darstellung der Ärztin in einem Instagram-Video.

In der RTL-Aufzeichnung hatte sich der Kanzler den Fragen von Bürgern gestellt. Die Kinderärztin warf Merz vor, mit dem Sparpaket im Gesundheitswesen „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ zu erlassen und seinen Amtseid zu brechen. Der Kanzler wies die Vorwürfe entschieden zurück: Dies sei eine „persönliche Herabsetzung“, die „zu weit“ gehe.

„Man erwartet nichts und wird trotzdem enttäuscht!“

Merscher bleibt bei ihrer Kritik: „Zu den Aussagen stehe ich immer noch.“ Die Haltung des Kanzlers bezeichne sie als „realitätsfern“. Merz sei nicht in der Lage zu verstehen, „wie es ist, auf 25 Euro angewiesen zu sein“. Ihr Fazit fällt bitter aus: „Man erwartet nichts und wird trotzdem enttäuscht!“ Eine Anfrage an das Kanzleramt blieb zunächst unbeantwortet.

Kräftige Kritik musste Kanzler Merz in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ einstecken
Quelle: dpa

Die Kinderärztin Merscher ist zudem als Gesundheits-Influencerin tätig und erreicht über ihre Social-Media-Kanäle ein Publikum von Hunderttausenden. Immer wieder übt sie dabei Kritik an der Politik des Kanzlers. Ein Reaktions-Video auf eine Merz-Rede von Ende Juli verzeichnet bis heute mehr als sieben Millionen Aufrufe. Für die kommende Woche hat sie unter dem Motto „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“ eine Kundgebung vor dem Reichstag angemeldet, die sich gegen Einsparungen im Gesundheitswesen und weitere Sozialkürzungen richtet.