Berlin/Moskau – Mit einer Drohung gegen das Putin-Regime sorgt ein russischer Veteran für Nervosität in Moskau. Extrem ungewöhnlich: Der Kreml reagiert sofort – und zeigt damit die Angst in der Machtzentrale!
Am Donnerstag veröffentlichte der Soldat Alexander Lunin ein Video auf Instagram, in dem er sich direkt an Diktator Wladimir Putin wandte. Lunin erklärte, er habe das Video aufgenommen, nachdem sich „Vertreter hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums und der Sicherheitsorgane“ mit ihm getroffen hätten. Sie wollten über ihn eine Botschaft an „Wladimir Wladimirowitsch Putin“ übermitteln, sagte Lunin und verlangte ein persönliches Treffen.
Er wolle den russischen Machthaber im Kreml treffen, um ihn in einer Live-Sendung „die ganze Wahrheit darüber zu erzählen, was jetzt in unserem Land geschieht“. Andernfalls, so der Veteran, werde die Armee, die derzeit gegen die Ukraine einen brutalen Angriffskrieg führt, ihre Waffen gegen den Kreml richten.
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Es ist eine eindeutige und drastische Drohung einer Meuterei des russischen Militärs, die an den Aufstand der „Wagner“-Söldner im Sommer 2023 erinnert. Damals führte der Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin einen zweitägigen Aufstand gegen das russische Regime durch, der kurz vor einem angekündigten Marsch auf Moskau durch eine Verhandlungslösung beendet werden konnte. Kurz darauf starb Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz, für dessen Hintergründe Putin verantwortlich gemacht wird.
Ob Lunin tatsächlich im Namen mächtiger Regime- oder Militär-Vertreter spricht, ist unklar. In seinem Video erklärt er, dass Tausende Soldaten in Gruben festgehalten und gefoltert würden, weil sie sich weigerten, „selbstmörderische Befehle auszuführen“ und ihre Kommandeure zu bezahlen.
Putin-Sprecher reagiert auf Droh-Video
Nach einem Tag hatte das Video auf Lunins Instagram-Kanal mehr als 12,4 Millionen Abrufe (Stand Freitag 14 Uhr). Der Kreml scheint Lunins Drohung ernst zu nehmen, da Putins Sprecher Dmitri Peskow nur 24 Stunden nach Veröffentlichung des Video-Aufrufs mit einer öffentlichen Erklärung reagierte.
„Uns wurde mitgeteilt, dass es einen solchen Appell gibt. Wir hatten aber noch keine Gelegenheit, ihn näher anzusehen. Deshalb möchte ich dazu derzeit nichts sagen“, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag vor Journalisten. Er ergänzte: „Nach dem, was Sie schildern, scheint es einige recht merkwürdige Formulierungen zu geben. Man muss sich den Inhalt zunächst ansehen.“
Dass die Drohung eines einzelnen Veteranen nach wenigen Stunden vom Sprecher des Präsidenten erwähnt wird, ist ein äußerst ungewöhnlicher Schritt im autoritären Russland und könnte von der Furcht vor einem weiteren Aufstand zeugen. Üblicherweise werden kritische Meldungen vom Kreml sowie von staatlichen Medien ignoriert.
Veteran schon auf dem Weg nach Moskau
Wie das russische Exil-Medium Meduza berichtet, ist Alexander Lunin 39 Jahre alt. Demnach nahm er als Kämpfer des Freiwilligenbataillons am Angriffskrieg gegen die Ukraine teil. Seit Anfang des Jahres betreibt er mehrere Kanäle auf unterschiedlichen Internet-Plattformen. In mehreren Videos übte er drastische Kritik an den Zuständen in den russischen Streitkräften und attackierte auch prominente Regime-Vertreter.
Am Freitagnachmittag gab Lunin bekannt, eine Einladung nach Moskau erhalten zu haben. Er werde nun in die Hauptstadt fahren, um einen Vitali Borodin zu sprechen. Dabei könnte es sich um einen hochrangigen Beamten handeln, der für Korruptionsbekämpfung verantwortlich ist. Lunin erklärte in dem neuen Video, er werde sein Ziel erreichen.
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